Unternehmen / Finanz

Oberster Bankenvertreter stellt sich hinter Klimaschutz

Der Geschäftsführer der Schweizerischen Bankiervereinigung, Jörg Gasser, sagt, langfristig sollten CO2-Schleudern nicht mehr finanziert werden.

(AWP) Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) stellt sich hinter Anliegen der Klimaschutzbewegung. Banken sollten mittel- bis langfristig CO2-lastige Firmen nicht mehr finanzieren, sagte der Geschäftsführer des Dachverbands, Jörg Gasser, in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen vom Montag.

Die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle entsprechend ändern, erklärte SBVg-CEO Gasser. «Unternehmen mit einem CO2-lastigen Geschäftsmodell haben keine Zukunft mehr.» Die Credit Suisse (CSGN 12.81 -4.33%), welche beim Börsengang des Ölriesen Aramco eine Rolle spielen soll, wollte Gasser gleichwohl nicht direkt angreifen. «Ich rede ja nicht davon, kurzfristig gar keine Geschäfte mehr mit CO2-lastigen Unternehmen zu machen.»

Der Branchenvertreter unterstützt laut eigenen Angaben auch eine Lenkungsabgabe, die den Ausstoss des Klimagases verteuern soll. «Wenn wir marktwirtschaftliche Instrumente einsetzen wollen, um den CO2-Ausstoss zu verringern, braucht es Lenkungsabgaben.» Der Bundesrat prüft derzeit klimapolitische Massnahmen im Finanzsektor.

Gasser warnte allerdings davor, die Finanzbranche zum alleinigen «Vollzugsinstrument» im Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Dies sei eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe. Ein abrupter Ausstieg aus der Finanzierung von CO2-lastigen Unternehmen sei unrealistisch, da ein solcher Schritt negative Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft habe. «Es geht darum, einer CO2-lastigen Industrie beim Ausstieg zu helfen», sagte Gasser.

Kritik an SNB

Kritik übte er ausserdem an der Nationalbank. Er hält ihr Festhalten am aktuellen Niveau der Negativzinsen für falsch. «Eine geringfügige Anpassung bei den Negativzinsen erscheint uns möglich, ohne grossen Folgen für den Frankenkurs.» Man müsse darüber diskutieren, ob das «Narrativ der SNB» stimme, wonach der Franken ohne Negativzinsen aufwerten würde.

Und er fordert auch eine Entlastung der Wirtschaft. «Die Politik muss sich bewusst werden, dass die Negativzinsen eine Belastung darstellen.» Für die Bankenbranche sei dabei eine Möglichkeit, ihr «mit praktikablen Marktzugangslösungen mit der EU neue Wachstumsperspektiven zu eröffnen», so Gasser.