Jesus ging übers Wasser, bezeugen die Evangelisten. Ein biblisches Wunder fürwahr. Das Musée d’Art et d’Histoire MAH in Genf hat soeben eine Ausstellung unter dem Titel «Marcher sur l’eau» eröffnet, die jetzt – Wunder gibt es immer wieder – ganz real, nicht nur steril virtuell besucht werden kann. Es geht dem MAH nicht um die Widerlegung der Physik – trockenen Fusses lässt sich ein See, ob nun der von ­Genezareth oder der von Genf, beim besten Willen nur überqueren, sofern er gefroren ist  (wohingegen Rauch über dem Léman, «Smoke on the water», sogar musikalisch verbürgt ist). Vielmehr steht der Gang übers Wasser als Gleichnis für Gottvertrauen, für heitere Daseinszuversicht. Was die keck arrangierten Exponate mit der Vorstellung vom Wandeln übers Wasser zu tun haben, liegt im Auge des Betrachters. Vielleicht gelingt Kunst ja nur dann, wenn sie, bestenfalls, auf dünnem Eise steht und geht, das mag uns die Thematik dieser Schau augenzwinkernd vermitteln: Kunst ist prekär, just wie das Leben. Gehen wir also gucken, gerüstet mit ­Gesichtsmaske und etwas Gottvertrauen, nach Genf. Oder aber in eines der anderen gut 1100 Museen in der Schweiz, die nun aus dem Zwangskoma erwachen. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone)