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Obseva sichert Finanzen bis Ende 2020

Die auf Frauenheilkunde spezialisierte Obseva weitet den Verlust aus, erhält aber einen Kredit, der bis zur Einführung des ersten Produkts reichen sollte.

(AWP/RB) Das Biopharmaunternehmen Obseva (OBSV 9.72 -2.8%) hat im zweiten Quartal 2019 den Verlust ausgeweitet. Allerdings hat das auf die Frauenheilkunde spezialisierte Unternehmen auch noch kein Produkt auf dem Markt. Das erste Medikament gegen Unfruchtbarkeit soll Ende 2020 kommen. Gleichzeitig kündigte Obseva an, sich eine Kreditlinie über 75 Mio. $ gesichert zu haben.

Der Aktienkurs gab am Mittwoch nach (*). Die Titel hatten wie die weiterer kleiner Pharma-Unternehmen in den vergangenen Monaten Federn gelassen. Zudem hatten Obseva Anfang dieser Woche eine Berg- und Talfahrt hingelegt, möglicherweise ausgelöst durch ein Missverständnis betreffend dem Publikationszeitpunkt des Quartalsberichts.

Für das zweite Quartal weist Obseva unter dem Strich einen Verlust von 34,8 Mio. $ aus nach 18,2 Mio. $ im Vorjahr. Insgesamt hat Obseva 34,6 Mio. ausgegeben (VJ 18,2 Millionen).

Der Grossteil floss in die Forschung und Entwicklung. Hierfür gab Obseva 28,4 Mio. aus. Im Vorjahresviertel hatte Obseva 14,7 Mio. in F&E investiert, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Darin spiegeln sich nicht zuletzt die beiden neu gestarteten Phase-III-Programme mit dem Produktkandidaten Linzagolix wider, die Obseva aufgegleist hat.

Kreditlinie über 75 Mio. $

Das Unternehmen verfügt per Ende Juni über Barmittel in Höhe von 98,5 Mio. Ende des ersten Quartals standen noch 117,3 Mio. zur Verfügung.

Um die zahlreichen Forschungsprogramme zu finanzieren hat sich Obseva zudem eine Kreditlinie über 75 Mio. $ gesichert. Beim Kreditgeber Oxford Finance handelt es sich den Angaben zufolge um eine Spezialfinanzierungsgesellschaft, die vorrangig Schulden für Unternehmen im Bereich Biowissenschaften und Gesundheitsdienstleistungen bereitstellt.

Der Erlös aus der Finanzierung soll dazu verwendet werden, die Entwicklungspipeline von Obseva im Spätstadium voranzubringen, einschliesslich Phase-III-Studien mit Nolasiban bei Patienten, bei denen ein Embryotransfer (ET) auf Basis einer In-vitro-Fertilisation (IVF) erfolgt und mit Linzagolix zur Behandlung von endometriosebedingten Schmerzen und starken Menstruationsblutungen aufgrund von Gebärmutterfibroiden. Zudem sollen die ersten Vermarktungskosten für Nolasiban damit gestemmt werden.

«Die Mittel werden nun bis ins vierte Quartal 2020 reichen», erklärte Unternehmensmitbegründer und CEO Ernest Loumaye an einer Telefonkonferenz. Bis dann wird im besten Fall Nolasiban eingeführt. Weitere Finanzmittel werden deshalb nötig sein.

Wichtiger chinesischer Markt

Die Unternehmensleitung liess sich diesbezüglich nicht allzu tief in die Karten blicken. CFO Tim Adams erklärte aber, es sei bei der nun ausgehandelten Kreditlinie sehr wichtig gewesen, dass die Finanzierung das Aktienkapital nicht verwässere.

Loumaye deutete auch an, dass der Verkauf der Lizenz für China eine Option sein könnte. Auf jeden Fall sucht Obseva einen Partner für diesen Markt, der mit 800’000 Invitro-Transfers pro Jahr gleich gross ist wie der europäische. Obseva rechnet damit, dass China künftig der grösste Markt sein wird. Bis Ende Jahr will sie einen lokalen Partner gefunden haben.

Pipeline-Projekte auf Kurs

Mit Blick auf die Pipeline heisst es, man habe im zweiten Quartal wie geplant die Patientenrekrutierung in der IMPLANT 4-Studie für das Fruchtbarkeitsmittel Nolasiban abgeschlossen. Weiterhin plant Obseva, im vierten Quartal 2019 zu berichten, ob die Ziele erreicht wurden. Sollten die Ergebnisse gut ausfallen, plant das Unternehmen den Angaben zufolge Ende 2019 einen europäischen Zulassungsantrag (MAA) einzureichen.

Gleichzeitig werde man in den USA ein aktualisiertes Phase-III-Studienprotokoll für das Phase-III-Programm IMPLANT 3 bei der dortigen Zulassungsbehörde FDA einreichen und hoffe, die Studie anschliessend im vierten Quartal 2019 oder im ersten Quartal 2020 zu starten.

Für den Produktkandidaten Linzagolix erwartet Obseva, die Ergebnisse der derzeit laufenden PRIMROSE 2-Studie im vierten Quartal vorzulegen. Hier wird der Kandidat zur Behandlung des Uterusmyom eingesetzt, einem gutartigen Tumor. Im ersten Halbjahr 2020 wolle man zudem die Daten aus der PRIMROSE 1-Studie veröffentlichen. Ende des kommenden Jahres hoffe man, Zulassungsanträge hierfür zu stellen.

(*) in einer früheren Version wurde der Kurssprung vom Vortag fälschlicherweise auf den Mittwoch bezogen. Ein erster Handel erfolgte am Mittwoch jedoch erst nach dem Mittag. 

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