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OC Oerlikon läuft es immer besser

Analyse | Die Industriegruppe spürt keine Abschwächung und prognostiziert für 2019 mehr Umsatz und eine höhere Betriebsmarge.

Die Industriegruppe OC Oerlikon (OERL 9.915 -1.25%) hat 2018 robust abgeschlossen und ist unter der Vorgabe eines Wachstums in Umsatz und Marge ins neue Jahr gestartet.

Die günstige Ergebnisentwicklung im letzten Jahr und der positive Ausblick sind nicht selbstverständlich. Denn das eine der beiden Segmente, Manmade Fibers (Anlagenbau für die Kunstfaserindustrie), ist vorwiegend auf China ausgerichtet. Das andere Segment, Surface Solutions, hat ein starkes Bein in der Automobilindustrie. China, verstrickt in einen Handelsdisput mit den USA, und die Autoindustrie waren mit die wichtigsten Treiber der seit Sommer zu beobachtenden Abkühlung der Weltkonjunktur.

Im Rückschlag der OC-Oerlikon-Aktien von gegen 40% zwischen dem vergangenen Juni und Ende Jahr kommt denn auch die Angst der Investoren bezüglich der Exposition des Konzerns gegenüber den Schwachstellen der Weltwirtschaft zum Ausdruck.

Strukturelle Treiber

Doch OC-Oerlikon-CEO Roland Fischer widerspricht dieser Betrachtungsweise. «Uns hilft im Autogeschäft der ausgeprägte Trend hin zu mehr beschichteten Teilen», erklärte er an der Medienkonferenz zum Jahresabschluss. «Und im Segment Manmade Fibers sind wir bis weit ins 2021 ausgebucht.»

Die Zahlen unterstreichen Fischers Aussagen: Der Umsatz von Surface Solutions ist letztes Jahr 9,3% (organisch 6%) auf gut 1,5 Mrd. Fr. gewachsen. Dass der Auftragseingang im vierten Quartal gegenüber dem dritten nochmals leicht auf 400 Mio. Fr. erhöht werden konnte, deutet auf anhaltende Dynamik hin.

Surface Solutions profitiert weiter von strukturellem Rückenwind. Mit Oberflächenbehandlungen können Metallteile härter, verschleissärmer und langlebiger gemacht werden. Das ist sowohl in der Autoindustrie als auch im Flugzeugbau, wo mit zunehmend geringeren Toleranzen auf allen Ebenen gearbeitet wird, von Belang. Durch kleine Akquisitionen konnte Oerlikon in angrenzende Märkte vordringen, so etwa mit dem Kauf der Langenthaler Sucotec, die Anlagen für chemiebasierte Beschichtungen anbietet.

Für 2019 erwartet Oerlikon für Surface Solutions ein Umsatzwachstum von 4 bis 6%, die Bestellungen sollen 4% zunehmen und die Ebitda-Marge leicht über 19% (2018: 18,6%) betragen. «Das dürfte deutlich über der Marktentwicklung liegen», kommentiert Fischer die Prognose, doch sei man gut aufgestellt und profitiere zunehmend vom Konkurrenzvorteil der «breitesten und laufend ergänzten Angebotspalette der Branche».

Starken Schub – nach schwierigen Jahren – verzeichnete das Segment Manmade Fibers, dessen Umsatz 57% auf 1,1 Mrd. Fr. zugenommen hat. Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda ist gar fast 130% auf 128 Mio. Fr. gestiegen. Damit arbeitet Oerlikon an der Kapazitätsgrenze – und das wird noch einige Zeit so bleiben. Die Produktion ist dieses und nächstes Jahr ausgebucht, teilweise wird gar schon über Aufträge für 2022 verhandelt.

Selbst in China, wo sich das Wirtschaftswachstum derzeit leicht abschwächt, bleibt die Nachfrage hoch. Viele ältere, ineffiziente Anlagen werden entsprechend den Vorgaben des Fünfjahresplans durch moderne ersetzt.

7% Dividendenrendite

Gruppenweit prognostiziert Oerlikon für 2019 einen Umsatz und einen Bestellungseingang von je rund 2,7 Mrd. Fr., die Ebitda-Marge soll auf mehr als 16% (2018: 15,6) steigen. Der Gewinn wird durch IFRS-bedingte Umbuchungen im Zusammenhang mit dem Drive-Systems-Verkauf im Ausmass von 150 Mio. Fr. belastet – obwohl aus dem Verkauf eigentlich ein Buchgewinn von 150 Mio. Fr. resultierte.

Im letztjährigen Gewinn ist anteilsmässig noch der Beitrag des verkauften Drive-Systems-Geschäfts enthalten. Ohne dieses hätte der Gewinn pro Aktie nicht 0.71 Fr., sondern 0.50 Fr. betragen. Davon ausgehend sind 2019 etwa 0.58 Fr. möglich (Drive-Systems-Ausbuchungsverlust ausgeklammert).

Bereinigt um die Nettoliquidität sind Oerlikon mit einem KGV von 18 bewertet, was nicht übertrieben erscheint. Kursstützend dürfte sich zudem die Dividendenrendite auswirken, die sich wegen der Sonderdividende von 0.65 Fr. – die mit dem Verkauf von Drive Systems begründet wird – auf über 7% summiert.

Die komplette Historie zu OC Oerlikon finden Sie hier. »

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