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OC Oerlikon schaltet um auf Wachstum

Der Umbau ist so gut wie abgeschlossen, und der Technologiekonzern tritt in die nächste Phase. Akquisitionen im Umfang von über 1 Mrd. Fr. sind möglich.

Es ist nicht lang her, da stand Oerlikon vor dem Aus. Vor vier Jahren erwirtschaftete der Technologiekonzern einen Verlust von mehr als 500 Mio. Fr. Das ist Vergangenheit. Bei Vorlage der Jahresbilanz 2012 gab sich Oerlikon-CEO Michael Buscher am Dienstag optimistisch. «Wir sind im Begriff, die wesentlichen Teile des strategischen Portfolioumbaus abzuschliessen», sagte er im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». «Jetzt beginnt für Oerlikon eine Phase, in der anorganisches Wachstum in den Fokus rückt.» Er will den Traditionskonzern schon bald durch Übernahmen stärken – in einer Grössenordnung von mehr als 1 Mrd. Fr.

Buscher hat zuletzt entscheidende Fortschritte im Umbau erzielt. So hat Oer­likon im vergangenen Frühjahr die Solarsparte für 250 Mio. Fr. an Tokyo Electron verkauft. Anfang Dezember gab das Oerlikon-Management die Trennung von den Textilmaschinen für Naturfasern bekannt. Für 650 Mio. Fr. übernahm das Geschäft die chinesische Jingsheng-Gruppe.

Im Gewinn für das Gesamtjahr schlagen sich die Verkäufe der Sparten mit 162 Mio. Fr. nieder. Unter dem Strich stieg dieser 72% auf 385 Mio. Fr. Mit Einmaleffekten erreichte der Gewinn 1.18 Fr. pro Aktie, bereinigt 0.85. Die Marge kletterte im vergangenen Jahr auf 14,5%. Ohne den Gewinn von 39 Mio. Fr. aus dem Verkauf von Oerlikon-Liegenschaften im thurgauischen Arbon lag die Gewinnspanne immer noch bei 13,2%.

Liefertreue zahlt sich aus

Dass die Marge so hoch ausfiel, ist nicht zuletzt einem Programm zuzuschreiben, das Buscher «Operational Excellence» nennt. So hatte Oerlikon vor dem Umbau eine Liefertreue von 70%. Anders gesagt: Drei von zehn Aufträgen wurden zu spät ausgeliefert. Das führte bei den Oerlikon-Kunden zu Verzögerungen – und war für den Technologiekonzern im schlimmsten Fall mit einer Vertragsstrafe verbunden. 2012 lag die Liefertreue im Segment Advanced Technologies nun zum ersten Mal bei 100%. Zudem hat Buscher die Auftragsbücher nach unrentablen Orders durchforsten und diese streichen lassen.

Das alles führt bei einem Umsatzplus von 6% auf 2,9 Mrd. Fr. zum besseren Ergebnis; im Auftragseingang jedoch gab es ein Minus von 3% auf 2,8 Mrd. Fr. Das hatten vor allem die Bereiche Drive und Vacuum zu verantworten. Wegen der schwierigen Lage im Automobilsektor brachen die Bestellungen bei Drive 14% ein. Die Krise in der Solarindustrie sowie Unsicherheiten bei LED-Beleuchtungsherstellern sorgten bei Vacuum für einen Auftragsrückgang von 6%. Zusätzliche Verkaufsaktivitäten in Japan, Korea, China und den USA sowie erste positive Signale aus der Industrie geben Buscher für das Segment aber Zuversicht.

Investieren will der Oerlikon-CEO in die kleineren Bereiche des Konzerns. «Bei der Austarierung des Portfolios werden Vacuum und Coating im Fokus stehen.» Coating erwirtschaftete im vergangenen Jahr 17% des Umsatzes, Vacuum 13%. Drive und Textile dominieren das Portfolio mit einem Anteil von 28 bzw. 38%. Ad­vanced Technologies – Spielfeld für neue Entwicklungen – macht 4% aus.

Dividende steigt deutlich

Unter Annahme einer Nettoverschuldung in Relation zum Ebitda zwischen 1,4 und 1,5 könnte sich Oerlikon eine Akquisition von bis zu 1,2 Mrd. Fr. leisten, so Buscher. «Konkrete Vorstellungen über die langfristige Positionierung von Oerlikon werden wir noch im Laufe dieses Jahres zeigen», sagte er. «Die Umsetzung wird sicher noch darüber hinaus dauern.»

Für 2013 rechnet der CEO mit Bestelleingang und Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Dabei soll das erste Semester deutlich harziger verlaufen als das zweite. Die operative Profitabilität werde auch in diesem Jahr noch durch Devestitionen im Segment Textile beeinträchtigt. Die Dividende soll von 0.20 auf 0.25 Fr. steigen.

Der Turnaround spiegelt sich bereits in den Oerlikon-Aktien: Sie sind auf Sicht von einem Jahr 75% gestiegen. FuW passt die Gewinnschätzung für 2013 leicht an, das Kurs-Gewinn-Verhältnis erreicht dennoch nicht mehr günstige 15. Anleger sollten Rückschläge für den Aufbau von Positionen abwarten und die weitere Strategie von OC Oerlikon (OERL 7.61 +0.33%) verfolgen.