Märkte / Rohstoffe

Schwarzer Montag fürs schwarze Gold

Russland und Saudi-Arabien wollen die Produktion nicht kürzen. Der Ölcrash bringt die US-Schieferölindustrie in Schwierigkeiten.

(PR/AWP International) Neue Woche, neuer Schock. Nach gescheiterten Verhandlungen führender Ölstaaten über eine Drosselung der Fördermenge sind die Ölpreise übers Wochenende mehr als 25% abgesackt. Es war der schärfste Einbruch seit rund dreissig Jahren.

Ein Fass der Nordseesorte Brent wurde zwischenzeitlich zu 31 $ gehandelt. Der Preis hat sich im Verlauf vom Montag auf 37 $ erholt. Amerikanisches Rohöl der Sorte WTI brach 28% auf 29 $ ein und notiert am frühen Montagnachmittag 34 $.

Marktbeobachter sprechen vom stärksten prozentualen Einbruch am Ölmarkt seit dem Golfkrieg 1991. Damals waren die Ölpreise nach der irakischen Invasion in Kuwait zunächst rasant gestiegen. Als sich dann aber am Ölmarkt keine Engpässe zeigten, fielen die Notierungen schnell.

Versuch zur Stabilisierung ist gescheitert

Ursache für den aktuellen Einbruch ist das Scheitern der Verhandlungen des Ölkartells Opec mit anderen wichtigen Förderländern wie Russland am Wochenende. Gegenstand der Gespräche war eine Kürzung der Förderung, um die Ölpreise zu stabilisieren.

Diese waren wegen Nachfragesorgen im Zuge der Coronakrise unter Druck gekommen. Die Internationale Energieagentur IEA hat die Prognose bereits angepasst und geht für das Jahr 2020 wegen Corona von einem Rückgang der Ölnachfrage aus.

Doch die Ölproduktion wird nun nicht gedrosselt. Selbst eine Verlängerung der bestehenden Förderbeschränkung hat in der Abschlusserklärung der beteiligten Staaten gefehlt.

Saudi-Arabien und Russland scheren aus

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf nicht genannte Insider berichtet, könnte Saudi-Arabien die Fördermenge in den kommenden Monaten erhöhen. Demnach dürfte die Fördermenge des führenden Opec-Landes von aktuell 10 Mio. auf eine neue Rekordmarke von 12 Mio. Fass pro Tag erhöht werden.

Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» am Montag berichtet, sei die Abkehr Russlands vom Ölkartell auch als «Kampfansage an die Vereinigten Staaten zu verstehen». Die FAZ beruft sich auf namentlich nicht genannte Teilnehmer der russischen Delegation bei den Verhandlungen der Opec+ in Wien.

Anscheinend hatten neue Sanktionen aus Washington für Unmut in der russischen Regierung gesorgt. Unter anderem wurde auf die im Februar verhängten Strafmassnahmen der USA gegen eine Tochtergesellschaft der russischen Rosneft verwiesen.

US-Schieferölproduzenten in Schieflage

Für die Konsumenten ist ein niedriger Erdölpreis ein Vorteil: Benzin und Heizöl werden billiger, es bleibt mehr für andere Konsumausgaben übrig. Dieser Effekt war früher vor allem in den USA relevant, dem wichtigsten Ölkonsumenten der Welt.

Doch dank der Schieferölindustrie sind die USA unterdessen selbst zum grössten Erdölproduzenten aufgestiegen. Gemäss dem Energieministerium fördern die USA 13 Mio. Fass pro Tag, mehr als Russland oder Saudi-Arabien, die im Januar je rund 10 Mio. Fass pro Tag produzierten.

Die Schieferölrevolution, die auf der Fracking-Methode beruht, hat die USA weniger abhängig vom Öl aus der Golfregion gemacht. Doch dafür ist die US-Wirtschaft nun auch negativ von fallenden Ölpreisen betroffen.

Fracking ist kostspielig

Bei der Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Gesteinsschichten gepresst. Sie ist vergleichsweise kostspielig und rentiert nur bei eher hohen Preisen – beim aktuellen Niveau können viele Unternehmen ihre Fracking-Förderung einstellen.

Die Förderung von Schieferöl in der Bakken-Formation in den Bundesstaaten North Dakota, South Dakota und Montana ist erst ab einem Preis von 55.50 $ pro Fass profitabel.

Den Ölstaaten drohen hohe Haushaltsdefizite

Die Erdölpreise sind jetzt wieder auf dem Niveau von 2016, als in den USA zahlreiche Schieferölunternehmen in Schwierigkeiten gerieten. Schuldner aus dem Ölsektor machen rund 15% des gesamten US-Marktes für Ramschanleihen aus.

Eine Ansteckung der anderen Kreditsegmente blieb damals allerdings aus. Das könnte dieses Mal anders sein, wenn gleichzeitig Unternehmen aus anderen Sektoren wegen der Coronaepidemie in einen Finanzierungsstress kommen.

Doch allzu lange können Russland und Saudi-Arabien den Markt nicht mit billigem Öl fluten. Beide Staaten sind hochgradig abhängig von den Erdöleinnahmen. Für Saudi-Arabien liegt die Schwelle, ab der ein Haushaltsdefizit resultiert, bei 84 $. Für Russland beträgt dieser fiskalische Break-even-Preis 50 $ pro Fass.

Wie schmerzhaft der Preiskampf für Saudi-Arabien wird, zeigt der Absturz des Aktienkurses von Aramco. Mit 27 Riyal notieren die Titel des Staatskonzerns nun deutlich unter dem Einstandspreis nach dem Börsengang. Kurz nach dem IPO waren sie 38 Riyal wert.

Noch übler hat es jedoch die Aktien der europäischen Ölkonzerne erwischt.

Shell zum Beispiel haben seit Anfang Jahr 40% verloren.

Leser-Kommentare

Kornelius Hug 09.03.2020 - 13:16

Es wäre vielleicht auch mal Zeit, dafür zu sorgen, dass auf fuw.ch wieder die korrekten Kurse für Brent und WTI angezeigt werden… Die Kurse vom Freitag 6.3. sind da keine Hilfe.