Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Blogs / Momentum

Die Macht des Öls

Alexander Trentin
Nach der Erholungsrally geht es beim Ölpreis wieder bergab. Das verheisst nichts Gutes. Der Einfluss des Öls auf Finanzmärkte und Wirtschaft in neun Charts.

Vergangene Woche ging es mit Rohöl plötzlich wieder aufwärts. Brent (Brent 58.16 -1.16%) kostete zeitweise fast 37 $ je Fass und damit so viel wie seit drei Wochen nicht mehr. Grund waren Aussagen von russischer Seite, dass man zusammen mit dem Ölkartell Opec über Förderkürzungen diskutieren wolle. Eine geringere Ölproduktion hätte wohl höhere Marktpreise zur Folge.

Doch die Erholungsrally endete zu Wochenanfang jäh. Der Brent-Preis rutschte am Montag wieder unter 35 $ je Fass. «Wir sind äusserst skeptisch, dass ein Treffen zwischen Russland und der Opec zu glaubhaften Angebotskürzungen führen wird», kommentieren Analysten von Barclays (BARC 188.15 -1.03%). «Wir sehen in den Aussagen Russlands nichts anderes als einen Versuch, die Marktstimmung zu drehen.» Das fundamentale Überangebot am Markt bleibe bestehen.

Im Fahrwasser der Ölpreisrally erholten sich vergangene Woche auch die Aktienmärkte. Zuvor sanken beide im Tandem.

Wie gross der Einfluss des Ölpreises auf die Finanzmärkte ist, zeigt die untenstehende Grafik von Morgan Stanley (MS 47.46 -0.59%). Darin ist die durchschnittliche Korrelation (Gleichläufigkeit) über einen Monat zwischen dem Ölpreis und anderen Anlagen (Aktien- wie Anleihenindizes) abgetragen. In Stressphasen reagieren die Märkte in die gleiche Richtung wie Rohöl. Seit Mitte vergangenen Jahres schwankt die Korrelation nicht mehr um null, sondern liegt im Durchschnitt bei etwa 30%.

Über das vergangene Jahr liefen amerikanische Aktien und Hochverzinsliche besonders nahe zum Ölpreis. Für britische Unternehmensanleihen, japanische Aktien, europäische Unternehmensanleihen und deutsche Aktien ist die Korrelation deutlich geringer.

Aber was ist der direkte Effekt einer Halbierung des Rohölpreises? Der Fall des Ölpreises wirkt sich auf ganze Volkswirtschaften, aber auch auf einzelne Unternehmen aus.

Industrieproduktion

Die US-Industrieproduktion fällt – das war in den Jahren 1990, 2001 und 2008 das erste Anzeichen für eine Rezession in den USA. Doch die Analysten von Morgan Stanley sehen keine Rezessionsgefahr. Denn rechnet man den Energiesektor aus den Produktionszahlen heraus, ist das verarbeitende Gewerbe in einem besseren Zustand (vgl. rechte Grafik).

Inflation

Während in den USA der Ölpreis direkt auf die Produktion drückt, scheint er in Europa besonders über die Inflation zu wirken. Die langfristigen Inflationserwartungen am Finanzmarkt, gemessen an Swap-Kontrakten, sinken zusammen mit dem Ölpreis. Während sich die Markterwartungen bezüglich Inflation in den USA in der letzten Woche etwas erholt haben und um die Zielmarke der US-Notenbank von 2% notieren, sind die Erwartungen für die Eurozone mit 1,5% nun auf einem so niedrigen Niveau wie im ganzen vergangenen Jahr nicht.

Unternehmen

Ein Warnzeichen für Aktienanleger ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Beidseits des Atlantiks sinken die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr: um 2% im S&P 500 (SP500 2496.84 0.01%) und gar um 5% für im MSCI Europa. Doch rechnet man den Energiesektor heraus, schreiben die Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa 5% höhere Gewinne.

Die Renditen hochverzinslicher US-Anleihen haben seit 2014 kräftig angezogen. Der hohe Zins ist ein Risikoaufschlag, den Gläubiger für die Ausfallwahrscheinlichkeit der riskanten Schuldner verlangen. «Der Markt für Hochverzinsliche rechnet mit einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten», meinen die Analysten von Morgan Stanley. Die Ausfallwahrscheinlichkeit für Hochverzinsliche über die nächsten fünf Jahre liegt nun bei 46%.

Für den Energiesektor sieht es deutlich düsterer aus. Dort wird nun eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 71% über fünf Jahre eingepreist.

Währungen

Viele Währungen hängen am Ölpreis. Während sich der Dollar handelsgewichtet (Dollarindex DXY in der untenstehenden Grafik) entgegengesetzt zum Ölpreis entwickelt, haben die Währungen von Norwegen (NOK), Mexiko (MXN), Kolumbien (COP), Kanada (CAD) und Russland (RUB) eine hohe Korrelation zu Rohöl. Die Währungen der ölexportierenden Länder haben sich seit Anfang 2015 im Durchschnitt 40% gegenüber den Währungen ölimportierender Länder abgewertet.

Schwellenländer

Der direkte Effekt auf Anleihen von Emittenten aus den Schwellenländern ist im Öl- und Gassektor zu beobachten. Unternehmen müssen dort das Doppelte an Zinsaufschlag zahlen im Vergleich zu Anfang 2014 (hellblaue Linie unten). Bei Unternehmensanleihen, die nicht dem Energiesektor zuzuordnen sind, ist eine 25% höhere Risikoprämie zu bezahlen.