Märkte / Rohstoffe

Ölpreissturz zwingt Opec zum Handeln

Öl sinkt auf ein Jahrestief. Zu viel Angebot und Sorgen um die Nachfrage belasten. Die Opec-Sitzung im Dezember könnte den Trend aber umkehren.

Der Ölpreis ist am Freitag auf ein neues Jahrestief gesunken: Mit unter 60 $ je Fass notiert Rohöl der Sorte Brent (Brent 64.02 -0.2%) 31% unter dem Niveau von Anfang Oktober. Der Preis für die US-Ölsorte WTI (WTI 57.11 -0.45%) hat zum Jahreshoch sogar 33% verloren und liegt unter 52 $.

Das nächste Treffen der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) findet am 6. Dezember statt. Dort wird man wohl über einen Vorschlag verhandeln, die Tagesproduktion um 1,4 Mio. Fass zu kürzen. Das entspricht über 4% der aktuellen Fördermenge. Gemäss Jan Edelmann, Analyst bei HSH Nordbank, würde solch eine Produktionskürzung den Brent-Ölpreis zurück in die Spanne von 70 bis 80 $ katapultieren.

Fördermenge wegen Iran-Sanktionen erhöht

Die Opec-Staaten haben in den vergangenen Monaten die Fördermenge erhöht als Reaktion auf die Anfang November in Kraft getretenen amerikanischen Sanktionen gegen den Iran. So produziert Saudi-Arabien so viel wie noch nie. Die grosszügigen Ausnahmegenehmigungen der USA für viele Abnehmer von iranischem Öl hat viele Marktteilnehmer aber überrascht.

Die Exporte des Irans bleiben damit auf dem Weltmarkt verfügbar und drücken auf den Preis. Dazu kommen ­höher als erwartete Fördermengen aus ­Libyen und Venezuela. Und auch die Schieferölproduzenten in den USA haben ihren Ausstoss erhöht, trotz Kapazitätsengpass bei den Pipelines.

Gleichzeitig zeigen die Konjunktur­indikatoren nach unten. Gemäss dem vorläufigen Einkaufsmanagerindex (Flash PMI) für die Eurozone ist die Stimmung in der Industrie so schlecht wie zuletzt im Dezember 2014. Das verheisst nichts ­Gutes für die Ölnachfrage.

Spekulanten setzen auf fallende Preise

Der Förderüberhang und der negative Ausblick für die Nachfrage haben Finanzinvestoren am Terminmarkt schon länger  veranlasst, verstärkt auf sinkende Ölpreise zu setzen. Schon vergangene Woche waren sie so pessimistisch gestimmt wie seit 18 Monaten nicht mehr. Für den Ölpreis ist das allerdings kein schlechtes Zeichen: Viel mehr Druck nach unten ist nicht mehr zu erwarten, wenn die Spekulanten bereits so negativ positioniert sind.

Nun kommt es darauf an, ob sich Saudi-Arabien in der Opec mit dem Vorschlag der Förderkürzung durchsetzt. Für Analysten von Morgan Stanley (MS 43.77 -1.49%) ist nicht sicher, dass sich die anderen Mitglieder des Kartells dem amerikanischen Wunsch nach billigem Öl widersetzen. Die Situation ist für die Opec wegen der grossen Fördervolumen in den USA und in Russland kompliziert geworden.

Wenn sie die Produktion einseitig begrenzt, werden die Nicht-Opec-Staaten den Kartellmitgliedern Marktanteile wegschnappen. Trotzdem hält es Morgan Stanley für wahrscheinlich, dass sich die Opec für preisstützende Massnahmen entscheidet. Demnach dürfte der Tiefpunkt beim Ölpreis bald erreicht sein.

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