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Österreich nutzt Zinstief für hundertjährige Anleihe

Wien stockt den Jahrhundertbond auf. Bei einer Rendite von 1,2% war die Emission mehr als vierfach überzeichnet.

Peter Rohner

Einmal mehr sorgt Österreich für Schlagzeilen. Diesmal kommt die Alpenrepublik jedoch gut weg. Am Mittwoch sammelte die Bundesfinanzierungsagentur unter Investoren 1,25 Mrd. € ein, die sie erst im Jahr 2117 zurückzahlen muss. Die Rendite betrug 1,2%, es gingen Angebote von über 5 Mrd. € ein. Damit sichert sich Österreich den rekordtiefen Zins bis weit ins 22. Jahrhundert.

Gemäss Schätzungen von UniCredit hat Österreich bereits drei Viertel des Finanzbedarfs für dieses Jahr gedeckt.

Mit einem Kreditrating von AA+ gehört Österreich zu den Top-Schuldnern. Dass die Investoren bereit sind, einen mickrigen Zins von 1,2% für hundert Jahre zu fixieren, zeugt aber von einer gewissen Verzweiflung bei der Suche nach Rendite.

Ein Grund für das grosse Interesse dürfte auch die phänomenale Performance der Jahrhundertanleihe gewesen sein. Seit der Emission im September 2017 ist der Kurs über 50% gestiegen.

Die Rendite bis Verfall ist dabei von 2,1 auf 1,2% gesunken. Was nach wenig klingt, wird wegen der langen Laufzeit zum Performance-Booster.

Mit einer modifizierten Duration von rund fünfzig Jahren steigt der Kurs um 50%, wenn der Zins 1% abnimmt. Doch der Hebeleffekt der langen Anleihe wirkt auch auf die Gegenseite: Steigt der Marktzins nur 1%, fällt der Kurs 50%. Denn bei höheren Zinsen will niemand mehr eine hundertjährige Anleihe besitzen, die so wenig Rendite abwirft. So passen sich der Kurs und die Rendite an die neuen Marktverhältnisse an.

Da das Zinsänderungsrisiko bei langen Anleihen so gross ist, engagieren sich vor allem Versicherungen, die zum Teil Verbindlichkeiten mit ähnlich langer Laufzeit haben.

Für Spekulanten sind solche Bonds hingegen hochriskant. Sie müssen darauf hoffen, dass die ohnehin schon rekordtiefen Zinsen noch weiter sinken und sie die Anleihen im Sinne der «Greater Fool Theory» dem nächstgrösseren Idioten verkaufen können.