Was auch immer nächste Woche an Ihrem Christbaum im Kerzenlicht bunt glitzern wird: Die Wahrscheinlichkeit, dass Kugeln, Sterne, Lametta und dergleichen aus China stammen, liegt bei 80%, die Wahrscheinlichkeit wiederum, dass sie in Yiwu gefertigt wurden, beträgt etwa 60%. Yiwu ist, nach chinesischen Begriffen, ein Nest irgendwo auf dem Lande, mit einer Bevölkerung von bloss 1,3 Mio. Menschen – auf schweizerische Verhältnisse übertragen ungefähr das Pendant zu, sagen wir, Langenthal. Seit den 1980er Jahren hat sich das zuvor verarmte Städtchen auf die Massenherstellung von Kleinwaren wie eben Weihnachtsschmuck spezialisiert. Rund 600 Fabriken – deren Personal eher an Geld denn an evangelischen Geist glauben dürfte – stellen eifrig rotnasige Rentiere, Weihnachtsmannkostüme, Plastiktännchen und weiteren Tand und Talmi her. Das Geschäft wird im Sommer gemacht: Dann stöbern die Käufer aus aller Welt durch einen spezialisierten Grossmarkt und ordern bei Anbietern wie diesem hier die Kollektion für die bevorstehende Saison. Von Yiwu aus fahren Container-Güterzüge bis nach Europa, randvoll mit materiellen Werten. Die immateriellen sind nachzulesen in Lukas, 2 oder Matthäus, 1 und 2.