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Old Mutual leitet Klage gegen Leonteq ein

Der britische Finanzdienstleister Old Mutual International wirft dem Zürcher Derivatspezialisten versteckte Kommissionen vor.

Leonteq (LEON 54.25 1.5%) droht in Grossbritannien ein Gerichtsverfahren. Wie der Derivatspezialist am Freitag mitteilt, wurde er vom britischen Finanzdienstleister Old Mutual International (OMI) in einem informellen Schreiben darüber informiert, dass OMI ein Formular eingereicht hat, mit dem eine Klage beim High Court der Isle of Man eingeleitet werden kann.

Wie Leonteq weiter mitteilt, wurde ihr bis jetzt nur eine Kopie des Antragsformulars durch OMI zugestellt. Es enthalte keine «aussagekräftigen Informationen über die Rechtsgrundlagen, auf denen die Klage erhoben wird, noch die Rechtsbehelfe, die von OMI angestrebt werden». Von den Behörden selbst habe Leonteq noch nichts erhalten.

Auf Anfrage von «Finanz und Wirtschaft» wird der OMI-Manager Peter Kenny zitiert. Leonteq habe falsche Angaben über ihre Kommissionen gemacht, die OMI zu zahlen habe. «Wären die tatsächlichen Provisionen offengelegt worden, hätten die Produkte die Kriterien von Old Mutual International nicht erfüllt, und es wären keine Investitionen getätigt worden.» OMI wolle nun «Wiedergutmachung» für «erhebliche finanzielle Verluste», die sie durch die Investition in die Leonteq-Produkte erlitten habe. Man werde auch gegen weitere «beteiligte Parteien» vorgehen.

Kommen weitere Fälle?

Leonteq weist auf Anfrage «jegliche Forderungen vollumfänglich zurück», sie werde ihre Position «vehement verteidigen». Bislang seien ihr aber noch keine spezifischen Angaben zur Klage zugestellt worden. Man warte auf offizielle Unterlagen des Gerichts, sagte ein Sprecher zu «Finanz und Wirtschaft». Bis jetzt sei noch nicht einmal klar, ob OMI das Formular überhaupt dort eingereicht habe. Ob Leonteq mit OMI in Kontakt steht, dazu wollte der Sprecher sich nicht äussern.

Zu weiteren Details der Klage, zum angeblich entstandenen Schaden, zu der Höhe der versteckten Kommissionen oder den betreffenden strukturierten Produkten Leonteqs wollen sich OMI und Leonteq nicht äussern. OMI ist Teil des Vermögensverwaltungsarms des britischen Versicherers Old Mutual, der nach eigenen Angaben 114,4 Mrd. £ verwaltet.

Der Analyst der Zürcher Kantonalbank, Michael Kunz, schreibt zum Sachverhalt: «Die Meldung könnte auch ganz allgemein die Frage aufwerfen, ob noch mit ähnlichen Fällen zu rechnen ist, die womöglich aus der früheren Phase des relativ unkontrollierten Wachstums stammen.»

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