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Olympia-Verschiebung durchkreuzt Gewinnpläne von Münchener Rück

Eine Absage der Olympischen Spiele wäre für den Rückversicherer viel dramatischer als eine Verschiebung. Auch Swiss Re ist betroffen.

(Reuters/TH) Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronakrise und die Absage anderer Grossveranstaltungen bringen Münchener Rück (MUV2 210 0.29%) in diesem Jahr nun doch aus dem Takt. Im ersten Quartal werde deshalb nur ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag als Gewinn übrig bleiben, teilte der weltgrösste Rückversicherer mit.

Im vergangenen Jahr hatte er in den ersten drei Monaten noch 633 Mio. € verdient. Allein ein Olympiaausfall hätte Münchener Rück Insidern zufolge bis zu 500 Mio. € gekostet. Die Verschiebung um ein Jahr dürfte aber deutlich günstiger werden. Trotzdem seien auch die 2,8 (Vorjahr: 2,7) Mrd. € Gewinn, die sich der Konzern für das Gesamtjahr 2020 vorgenommen hatte, nicht mehr zu erreichen.

Swiss Re in geringerem Ausmass dabei

Auch der Schweizer Konkurrent Swiss Re (SREN 67.6 2.11%) ist als Teil des Versichererkonsortiums von der Anlassverschiebung betroffen. Die Maximalsumme ist gemäss früheren Angaben des Finanzchefs gegenüber Finanzanalysten bei einer Olympiaabsage auf etwa 250 Mio. $ begrenzt. Bei der beschlossenen Verschiebung des Anlasses wird offenbar eine wesentlich geringere Zahlung fällig.

Eine Gewinnprognose hat das Management von Swiss Re bisher ausgelassen. Im ersten Quartal sind wenig schwere Naturereignisse verzeichnet worden, weshalb das operative Ergebnis stabil sein wird.

Buchverluste auf Aktien und Anleihen

Doch die Korrekturen an den Finanzmärkten verursachen eine Wertberichtigung der Vermögensanlagen, die Swiss Re zur Deckung der Versicherungsverpflichtungen investiert. Solche Buchverluste muss das Unternehmen bereits im Quartalsbericht ausweisen, weil es die Jahresrechnung nach den Bilanzregeln US-GAAP führt.

Bei Münchener Rück und weiteren europäischen Versicherern mit IFRS-Bilanzregeln wird die Wertberichtigung verzögert erfasst, wenn sie bis dahin überhaupt noch besteht.

Kein Rückkauf eigener Aktien

Dennoch hat Münchener Rück das Ende Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 1 Mrd. € wegen der Unsicherheiten ausgesetzt. Das gelte so lange, bis man klarer sehe, wie teuer die weltweiten Virusinfektionen für den Rückversicherer würden.

Vorstand Torsten Jeworrek hatte die Schäden in der Lebens- und Krankenversicherung im schlimmsten Fall auf bis zu 1,4 Mrd. € veranschlagt. Möglicherweise ergäben sich aus den Folgen der Pandemie aber auch «organische oder anorganische» Gelegenheiten für das Geschäft, für die man das Geld einsetzen könnte, erklärte der Rückversicherer. An der für das Jahr 2019 versprochenen Dividende von 9.80 € je Aktie werde jedenfalls nicht gerüttelt.

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