Märkte / Rohstoffe

Opec-Plan für stärkere Öl-Förderbremse wackelt

Laut Insidern lehnt Russland eine drastische Förderkürzung der Opec-Staaten ab. Der Ölpreis verliert stark.

(Reuters) Der Plan führender Erdölstaaten für eine noch drastischere Förderkürzung angesichts der Coronavirus-Epidemie steht Insidern zufolge auf der Kippe. Bei informellen Gesprächen der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) mit Produzenten ausserhalb des Kartells – der sogenannten Opec+-Gruppe – habe Russland eine zusätzliche Drosselung abgelehnt, verlautete am Freitag aus Opec-Kreisen in Wien. Ein hochrangiger Vertreter Russlands betonte, sein Land werde diese Position auch nicht ändern. Durch den Widerstand Russlands, das nicht zur Opec gehört, verzögerte sich der Beginn offizieller Opec+-Verhandlungen um Stunden. Insidern zufolge kamen die Nicht-Opec-Länder zunächst zu einem separaten Gespräche zusammen.

Die Opec-Minister hatten am Donnerstagabend nach einem Treffen in Wien überraschend eine zusätzliche Drosselung um täglich 1,5 Mio. Barrel pro Tag bis Ende 2020 ins Spiel gebracht. Das wäre die stärkste Förderkürzung seit der Finanzkrise 2008. Die Opec machte den Plan aber davon abhängig, dass sich auch Russland und andere Partnerländer ausserhalb des Kartells an die Vorgabe halten werden. Russlands Haltung kann entscheidend sein, da das Land einer der grössten Erdölförderer der Welt ist. Doch die Regierung in Moskau hat bislang nur signalisiert, zu einer Verlängerung der in diesem Monat auslaufenden Drosselung um 2,1 Mio. Barrel bis Jahresende bereit zu sein.

Die Opec-Länder unter Führung von Saudi-Arabien wollen aber mehr tun, um die Ölpreise zu stützen. Unter dem Druck der Coronavirus-Epidemie hat sich Erdöl seit Jahresanfang um mehr als ein Viertel verbilligt. Das macht vor allem den Opec-Ländern zu schaffen. Russland dagegen gab an, mit dem derzeitigen Preisniveau leben zu können. Nach der jüngsten Bestätigung des russischen Widerstands gegen den Opec+-Deal gingen die Ölpreise weiter in den Keller: Die Nordsee-Sorte Brent (Brent 32.56 0.03%) verbilligte sich um bis zu sechs Prozent auf knapp 47 $ je Barrel.