Märkte / Rohstoffe

Opec+ ringt um neue Rohöl-Förderbremse

Die Ölländer beraten über eine Drosselung der Produktion. Die Nachfrage ist zuvor wegen der Coronakrise eingebrochen.

(Reuters) Die grossen Erdöl-Förderländer wollen dem Preisrutsch ihres wichtigen Exportguts Einhalt gebieten. Daher berät die Staatengruppe Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells Opec weitere Staaten wie Russland gehören, am Donnerstag über eine neue Förderbremse. Verkompliziert werden die Gespräche durch den Nachfrage-Einbruch wegen der Coronavirus-Pandemie und die Weigerung der USA, die Produktion ebenfalls zu drosseln.

Sowohl in Opec- als auch in russischen Kreisen hiess es, verhandelt werde über eine Kürzung von bis zu 20 Mio. Barrel am Tag. Das wären etwa 20% des weltweiten Angebots. Zudem wurde verlautet, Russland und Saudi-Arabien sei es gelungen, die wesentlichen Hürden für eine neue Vereinbarung zu überwinden. Ein Opec-Vertreter wollte sich allerdings nicht dazu äußern, ob die USA sich an dem Schritt beteiligen.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, er habe im Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland vermittelt. Nun «erwarte und hoffe» er, dass die beiden Konfliktparteien ihre Ölförderung um zehn oder gar 15 Mio. Barrel pro Tag reduzieren. Die Regierungen Saudi-Arabiens und Russlands deuteten allerdings an, dass eine Einigung über eine Förderbremse nur unter Einbeziehung der USA möglich sei. Alle drei Staaten pumpen derzeit täglich jeweils etwa zwölf Millionen Barrel aus dem Boden. Trump steht allerdings auf dem Standpunkt, dass viele US-Firmen ihre Produktion wegen der gefallenen Preise bereits stark zurückgefahren hätten. Eine verordnete Drosselung sei daher nicht notwendig.

Die US-Schieferölförderer brauchen Experten zufolge einen Ölpreis von etwa 50 $ je Barrel (159 Liter), um profitabel zu arbeiten. Die US-Ölsorte WTI (WTI 36.47 7.3%) kostet derzeit nur etwa 27 $ , nachdem sie in den vergangenen Wochen wegen des Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland um etwa 40% verloren hatte. Die ersten Schieferöl-Firmen haben bereits Gläubigerschutz beantragt.

Auslöser des Preisverfalls war Anfang März die Weigerung Russlands, die Fördermengen wegen der Coronavirus-Krise weiter zu drosseln. Durch die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ist der weltweite Rohöl-Bedarf binnen weniger Wochen um etwa ein Drittel oder 30 Mio. Barrel pro Tag zurückgegangen.

Trotz aller Meinungsverschiedenheiten gelte eine neue Förderbremse an der Börse als ausgemacht, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Kein Staat könne es sich angesichts der Kosten für die Bewältigung der Virus-Krise leisten, seine Exportgüter zu verschleudern und seine Haushalte zusätzlich zu belasten. Die Experten der Bank Goldman Sachs (GS 199.93 1.75%) bezweifelten allerdings, dass Kürzungen den Ölpreis dauerhaft stabilisieren könnten. «Dazu ist der Nachfrageschock schlicht zu gross.»

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