Unternehmen / Schweiz

Operatives Geschäft wächst – Gründung einer Stiftung belastet die Erfolgsrechnung – Ära Kappeler geht zu Ende

Reto Gysi

Die Berner Kantonalbank (BEKB) hat im vergangenen Jahr den Vorsprung auf ihren Zehnjahresplan für 2003 bis 2012 weiter ausgebaut. Bis zur Halbzeit kann die Bank bereits 635 Mio. Fr. netto erarbeitete Mittel ausweisen, bis 2012 sollen es 800 Mio. bis 1 Mrd. Fr. werden.
Das operative Ergebnis der BEKB für das letzte Jahr ist hervorragend. Das Zinsergebnis, das rund zwei Drittel zum Ertrag beisteuert, kletterte 7%. Das Ausleihungsvolumen stieg zwar nur um etwa die Hälfte, aber die Zinsentwicklung spielte der Bank in die Hände. Die üppig vorhandene Liquidität – die Kundengelder übersteigen die Ausleihungen – warf dank klugem Bilanzmanagement einen hohen Ertrag ab.
Die untere Hälfte der Erfolgsrechnung ist wegen Sondereffekten schwieriger zu lesen. Der um die Veränderungen der Reserven für allgemeine Bankrisiken bereinigte Jahresgewinn, den wir als Basis für die Berechnung der Aktienbewertung verwenden, hat fast 5% abgenommen.
Für diesen Rückgang ist der Ausbau des KMU-Förderkonzepts der BEKB verantwortlich. Die Staatsbank gründete eine Stiftung zur Stärkung von Branchenclustern. Dieser stellte sie ein Kapital von 30 Mio. Fr. zur Verfügung, das als ausserordentlicher Aufwand direkt der Erfolgsrechnung belastet wurde. Damit leiste die Bank einen Beitrag zur Entwicklung ihres Lebens- und Wirtschaftsraums, begründete Geschäftsleiter Jean-Claude Nobili.
Wie schon im Vorjahr hat die BEKB Aktien des Energieunternehmens BKW verkauft. Daraus resultierte ein Sonderertrag von 132,5 Mio. Fr. Der Erlös und die damit verbundenen Effekte (höhere Steuern, Reservezuweisungen) werden im Gewinn nicht berücksichtigt. Die über 55000 Aktionäre kommen aber dennoch nicht zu kurz (vgl. FuW Nr. 7 vom 26. Januar): Neben der Dividende von 4.10 Fr. wird eine Nennwertrückzahlung von 10 Fr. und eine Bezugsrechtsemission vorgeschlagen. Wer 25 BEKB-Aktien besitzt, soll der Bank im August eine weitere für nur 100 Fr. aus deren Eigenbestand abkaufen können. Auf Basis des aktuellen Kurses hat das Bezugsrecht einen Wert von 5.34 Fr. pro Aktie. Die Ausschüttungsrendite beträgt hohe 6%, mit dem Bezugsrecht sogar 8,3%.
Die Generalversammlung vom 20. Mai wird sich nicht nur zu den Anträgen über die Ausschüttung zu äussern haben, sie muss auch Präsident Peter Kappeler, den Vater der Sanierung nach der Immobilienkrise, verabschieden. Er wird, wie zwei weitere Verwaltungsratsmitglieder (siehe Kasten), zurücktreten. Für Kontinuität ist jedoch gesorgt: Neuer Präsident soll der heutige Stellvertreter Jürg Rieben werden.
Die Aktien der BEKB entwickeln sich so, wie es der Berner Mentalität nachgesagt wird: etwas behäbig, aber beständig. Das sind mit Blick auf die Börsenlage gefragte Eigenschaften. Obwohl BEKB mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (Basis geschätzter Gewinn 2008) von 14 eher hoch bewertet sind, haben sie seit Jahresbeginn, nicht zuletzt dank der hohen Ausschüttung, knapp 10% auf ein Allzeithoch gewonnen. Damit gehören sie für einmal zu den zehn besten Titeln im Swiss Performance Index (SPI). Sobald die Börse wieder dreht, werden die für ihre Stabilität bekannten BEKB-Papiere zweifellos von vielen Valoren überholt. Für risikoaverse, langfristig orientierte Anleger sind sie aber nach wie vor eine gute Wahl.RG

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