Was symbolisiert diese dicke Dame – bloss ein erquickendes Nickerchen oder «The Big Sleep», wie es in Raymond Chandlers Krimi-Klassiker heisst? Wir werden es nie wissen. Das zwölf Zentimeter kleine Figürchen aus Alabaster stammt aus der Zeit von 3300 bis 3000 vor Christus. Gefunden wurde es, wie etliche weitere Artefakte, in einem unterirdischen Gewölbe auf der Insel Malta. Ein kunstvoller Kultgegenstand, zweifellos, doch steht er nun fürs fruchtbare pralle Leben oder für den furchtbaren ewigen Schlaf? Gegenwärtig liegt der Gedanke an einen Opfertod nahe. Vor zwei Jahren wurde die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia getötet, weil sie sich um Transparenz bemühte, was mächtige Kreise störte. Dieser Auftragsmord war wie der überfällige Stich in die Eiterbeule: Die Verkuppelung von organisierter Kriminalität und Politik, bei machtloser Justiz, tritt nun derart offen zutage, dass das an Korruption gewöhnte Volk (von rund einer halben Million) gegen das verkommene Establishment aufbegehrt. Regierungschef Joseph Muscat wird zwar zurücktreten, doch erst Mitte Januar – wenn wohl auch nicht das Gewissen, soll doch wenigstens das Büro rein sein. Der Keller auch, da dürfen keine Leichen liegen. (Bild: Marco Ansaloni/Keystone/Science photo)