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OPPORTUNISTENKEHREN ZURÜCKCAT BONDS Nach bescheidener Emissionstätigkeit 2009finden Katastrophenanleihen wieder auf den Wachstumspfad. 2010 dürfte ein Rekordjahr werden.

Peter Manhart

ZINSNEUTRALDas Risikoprofil von verbrieften Versicherungslösungen, dazu zählen Katastrophenanleihen (Cat Bonds), gleicht demjenigen traditioneller Anlagen kaum. Dies war bislang das Verkaufsargument Nummer eins. Dank der gestiegenen Inflationsangst finden Cat Bonds mittlerweile auch wegen ihrer zinsneutralen Ausgestaltung Anklang. Im laufenden Jahr sind per Ende Mai Cat Bonds im Umfang von 3,2 Mrd. $ emittiert worden – somit ist in den Bereich bereits etwa gleich viel Geld geflossen wie im Gesamtjahr 2009. Die Rekordmarke von 2007 von beinahe 7 Mrd. $ dürfte bis Ende Jahr übertroffen werden.

Das Interesse der Investoren hat sprunghaft zugenommen, nachdem sich in den Vorjahren opportunistische Anleger, vor allem Hedge Funds, anderen Anlageklassen und -stilen, die mehr Rendite versprachen, zuwandten. Die grössere Nachfrage geht mit deutlich tieferen Prämien einher (vgl. Grafik). Das ermutigt immer mehr Rückversicherungen, auf diese Weise Kapital zu beschaffen, was zusätzlichen Druck auf den Zinsertrag ausübt. Aus Investorensicht ist das auf den ersten Blick betrüblich – wünschen sich doch alle eine möglichst hohe Rendite.Michael Stahel, Leiter Insurance Linked Investments von Clariden Leu, erklärt indes: «Als Cat-Bond-Fondsanbieter sehen wir lieber möglichst viele Emissionen als möglichst hohe Prämien. Wir können so den Fonds viel breiter diversifizieren und das Ausfallrisiko minimieren. Das Rendite-Risiko-Profil hat sich durch die gesunkenen Coupons kaum verändert.»Derzeit werden vor allem Windsturmrisiken für die USA plaziert – das ist traditionell so, denn die Hurrikansaison beginnt jeweils im Juni. Doch dieses Jahr sind deutlich mehr Sturmrisiken emittiert worden als erwartet. Clariden Leu hat die Kapazität in der Region bereits beinahe ausgeschöpft. Bei anderen Mitbewerbern dürfte die Situation ähnlich sein. Das wiederum führt in der Tendenz zu einer Stabilisierung und leicht steigenden Prämien.

RISIKOVERSTÄNDNIS Auf der Schadenseite ist es in den vergangen Monaten glimpflich abgelaufen. Die verheerenden Erdbeben in Haiti und Chile waren nicht durch Cat Bonds versichert. Das gilt auch für die durch den Wintersturm «Xynthia» in Europa verursachten Schäden und die jüngste Havarie im Golf von Mexiko. Chile hat leider nicht – wie dem Vernehmen nach ursprünglich geplant – an der Multicat-Plattform der Swiss Re partizipiert, die von der Weltbank unterstützt wird (vgl. FuW Nr. 85 vom 31. Oktober 2009). Das dürfte sich künftig ändern, denn diese Ereignisse haben vielen Staaten die Augen geöffnet.

Gemäss Stahel illustrieren Katastrophen den Investoren, welche Risiken sie eigentlich tragen. Anleger hätten oft vor allem ein technisches Verständnis für die Produkte, doch der tatsächliche Einfluss einer Katastrophe auf die Performance werde nicht immer vollständig verstanden. Er meint, im Fall des Erdbebens in Chile hätte die Kurseinbusse eines breit diversifizierten Katastrophenfonds im betreffenden Monat rund 30 Basispunkte (100 Bp = 1 Prozentpunkt) betragen, wenn er einen entsprechenden Cat Bond umfasst hätte.

KORRELATION Zum Vergleich: Der Hurrikan «Katrina» drückte den Fondskurs im September 2005 um 75 Bp nach unten. Rückschläge können auch eine Folge von «reinen» Marktbewegungen sein – etwa wenn Hedge Funds in grosser Zahl Cat Bonds veräussern (müssen), wie es im Herbst 2008 der Fall war. Das ist eine Folge der Mark-to-Market-Bewertung oder eine Art Liquiditätsprämie, die für Fonds bezahlt werden muss.

Cat Bonds bleiben Teil der Finanzwelt – die Korrelation zu anderen Anlageklassen ist gering. Doch wenn der Finanzmarkt nicht mehr spielt, werden auch sie in Sippenhaft genommen, allerdings in geringerem Ausmass als Aktien & Co. n

PETER MANHART

Katastrophen zeigen, welche Risiken die Investoren mit Cat-Bond-Fonds tragen.

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