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Optimistischere Fondsmanager

Auch die professionellen Anleger setzen ihre Hoffnungen auf den Trump-Effekt. Einzig die Chinarisiken trüben die Stimmung etwas.

Sandro Rosa

Gemäss der monatlichen Umfrage von Bank of America Merrill Lynch (BofAML) setzen Fondsmanager vermehrt auf Wachstum und Inflation. Das spiegelt sich in ihrer Vermögensaufteilung: Gegenüber dem Vormonat haben die professionellen Anleger ihre Aktienpositionen weiter aufgestockt – inzwischen sind netto 39% der Befragten in Aktien übergewichtet, was einem Dreizehnmonatshoch entspricht. In der Umfrage von Dezember waren es noch 31%.

«Vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten haben sich die Anleger für stärkeres Wachstum und höhere Inflation positioniert. Angesichts der lauernden Risiken rund um China sind sie allerdings noch nicht bereit, vollends bullish zu werden», schreibt BofAML-Chefstratege Michael Hartnett. Während die Profis also weiterhin Aktien kauften, haben sie gleichzeitig ihre Bargeldquote von 4,8 auf 5,1% erhöht.

Für Hartnett ist der Grund klar: Die Fondsmanager möchten zwar vom besseren Wachstum profitieren, trauen der Sache aber nicht vollends. Besonders die Risiken eines zunehmenden Protektionismus, eines geldpolitischen Fehlers in den USA oder einer massiven Abwertung des chinesischen Yuans könnten für böse Überraschungen sorgen.

Insgesamt überwiegt jedoch eine positive Grundstimmung. So ist der Anteil der Fondsmanager, die eine Verbesserung der Weltwirtschaft erwarten, auf ein Zweijahreshoch gestiegen. Im Gleichschritt damit ist die Rückkehr der Inflation wieder ein Thema geworden. Satte 83% der befragten Profis rechnen mit steigenden Preisen. Das ist der fünfthöchste Wert in den vergangenen zwanzig Jahren.

Zu den grössten Nutzniessern dieser Entwicklung dürften gemäss Einschätzung der Profis die Bankwerte zählen. Darauf lässt zumindest ihre Positionierung schliessen: Sie liegt aktuell rund zwei Standardabweichungen über dem langjährigen Durchschnitt. Dieser Extremwert ist umso eindrücklicher, als die Banken noch vor wenigen Monaten zu den unbeliebtesten Segmenten gehörten.

Einzig Technologieaktien sind noch beliebter als Finanzwerte. Dahinter folgen die Sektoren Gesundheit, Energie und Versicherung. Was klar zum Ausdruck kommt, ist die Abneigung gegen defensive Valoren. So sind die Experten skeptisch gegenüber Versorgern, Basiskonsumgütern und Telecom.

Ebenfalls ins Bild passt, dass europäische Aktien, die dem konjunkturellen Auf und Ab überdurchschnittlich stark ausgesetzt sind, zuletzt in der Gunst der Anleger wieder gestiegen sind. Besonders populär ist inzwischen der deutsche Aktienmarkt. Netto fast 60% der Fondsmanager bevorzugen ihn. Mit grossem Abstand folgt Spanien auf Platz zwei. Grossbritannien und die Schweiz hingegen werden von den Anlegern verschmäht.

Interessant ist die Einschätzung zum Dollar: Für die Fondsmanager ist die Wette auf einen stärkeren Greenback mittlerweile heissgelaufen. Netto rund jeder fünfte Profi ist der Ansicht, die Währung sei überbewertet – das ist der höchste Wert seit November 2006.

Zurückgeblieben sind dafür die Schwellenländer: Zum ersten Mal seit neun Monaten sind die Fondsmanager hier untergewichtet. Gleichzeitig spekulieren sie jedoch auf weitere Kursgewinne bei Energieunternehmen. Das ist ungewöhnlich, denn in der Vergangenheit bewegten sich die Kurse von Schwellenländer- und Energieaktien typischerweise im Gleichschritt. Gemäss Hartnett könnte bei Schwellenländertiteln eine Einstiegsgelegenheit locken.

Die Fondsmanager setzen allerdings nicht bedingungslos auf Wachstum. Im Vergleich zur Dezemberumfrage haben sie ihren Bargeldanteil erhöht. Laut Hartnett deutet dies darauf hin, dass die Hausse noch nicht zu Ende ist. Für ihn ist das erst dann der Fall, wenn Euphorie herrscht – das Signal dafür sei eine Cash-Quote, die unter 4,5% fällt.

Die grössten Sorgen bereiten den Experten die weltweit zunehmenden protektionistischen Tendenzen sowie das Risiko einer geldpolitischen Fehlentscheidung in den USA, wo die Notenbank langsam, aber sicher die Abkehr von der Nullzinspolitik einläutet. Weitere Gefahren orten sie in einer heftigen Abwertung der chinesischen Währung oder im Auseinanderbrechen der EU.