Unternehmen / Konsum

Orell Füssli verliert für Aktionäre an Attraktivität

Analyse | Der Buchhändler und Notendrucker halbiert die Dividende und kämpft weiterhin mit der Krise.

Die Börse reagierte enttäuscht auf die Zahlen von Orell Füssli (OFN 91.20 -0.87%). Der Umsatz und vor allem die Dividende sind niedriger als im Vorjahr. Nach Wochen mit starkem Kursgewinn korrigieren die Aktien. Das Umfeld für den Buchhändler und Notendrucker bleibt rau.

Angesichts des unfreundlichen Shoppingumfelds ist die Division Buchhandel ein Highlight. Der Umsatz blieb nahezu stabil, obwohl die Läden im Lockdown während Monaten geschlossen und kaum Touristen unterwegs waren. Das Wachstum im Digital- und Onlineversandgeschäft (+46%) verhalf zu weiteren Marktanteilen. CEO Daniel Link sagte an einer Telefonkonferenz: «E-Commerce wird auch in Zukunft höher sein als vor Corona.»

Zudem setzte nach dem Lockdown im Frühling 2020 ein Nachholeffekt ein. Orell Füssli erlebte im Buchhandel den besten Mai und Juni der Geschichte, wie Finanzchef Beat Müller sagte.

Die Suche nach Ankerkunden

Im zyklischen Sicherheitsdruck ist die Ertragslage weiterhin gedrückt. Der Preisdruck bleibt hoch, und Corona erschwert die Akquise neuer Kunden. Das Ziel bleibt, einen weiteren Ankerkunden zu finden, der margenstarke Aufträge bringt, nachdem die neunte Schweizer Banknotenserie fertiggestellt ist. Der globale Markt für Banknoten und Wertdokumente wächst jährlich zwischen 4 und 6%. «Als Werterhaltungs- und Aufbewahrungsmittel sind grosse Noten in der Krise beliebter geworden», sagte CEO Link.

Zudem lastete der Verkauf einer Aktivität der Division Zeiser (Serialisierung von Noten und Pässen) auf dem Umsatz, der konzernweit knapp 8% sank. Zeiser war einmal mehr eine Ertragsperle. Die ohnehin schon überdurchschnittlich profitable Division schaffte eine Ebit-Margensteigerung auf 20,6%.

Ein Finanzergebnis, das besser als erwartet ausfiel, und eine Steuergutschrift sorgten für einen 52% höheren Gewinn. Trotzdem fällt die Dividende mit 3 Fr. nur halb so hoch aus wie im Vorjahr. Grund dafür ist der Cashflow, der wegen hoher Investitionen negativ war. In Zukunft will Orell Füssli jeweils «einen substanziellen Teil» des Ergebnisses ausschütten.

Geringere Fixkosten

Mit dem Verkauf von Teilen des Verlagsgeschäfts ist der Umbau des Konzerns abgeschlossen. In den letzten drei Jahren konnten die Fixkosten 30% gesenkt werden. Nun sind alle Divisionen profitabel. Opportunitäten sieht das Management im Bereich digitaler Identitäten und digitaler Bildung, wo mit weiteren Beteiligungen oder Zukäufen zu rechnen ist.

Der Gewinn je Aktie lag mit 6.61 Fr. über der FuW-Prognose (4 Fr.), die Dividende haben wir bei 5 Fr. erwartet. Trotz des stabilen Geschäftsmodells und der robusten Bilanz schmälert die geringere Dividende die Attraktivität der Titel. Für mehr als eine unkonventionelle Depotbeimischung eignen sich die Aktien aufgrund ihres kleinen Streubesitzes ohnehin nicht. Wir erwarten in den kommenden Monaten eine Performance höchstens im Rahmen des Gesamtmarkts.