Märkte / Kunstmarkt

Orientierungsloser globaler Kunstmarkt

Die Art Basel Hongkong bleibt ein Publikumsmagnet, doch haben sich dieses Jahr Festlandchinesen und Amerikaner rarer gemacht.

Nach vier Jahren mit teilweise sehr starkem Wachstum ist der Umsatz des globalen Kunstmarktes letztes Jahr 16% auf 56,6 Mrd. $ zurückgegangen. Dies ist dem Mitte Woche in Hongkong vorgestellten Report «The Art Market 2017» der Art Basel und der UBS (UBSG 15.475 2.65%) zu entnehmen.

Bremsend auf die Entwicklung haben sich neben den politischen Unwägbarkeiten in den USA und dem Mangel an Kunstwerken im Hochpreissegment vor allem die immer schärferen chinesischen Kapitalverkehrskontrollen ausgewirkt.

China holt schnell auf

Die USA bleiben mit einem Marktanteil von 40% der weltweit grösste Kunstmarkt. Allerdings hat Festlandchina – zusammen mit der wirtschaftlich autonomen Sonderverwaltungsregion Hongkong – letztes Jahr die USA im Auktionssegment überholt. Amerikaner haben vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2016 bedeutend weniger hochwertige Objekte auf den Markt gebracht als im Jahr zuvor.

Noch ist es zu früh zu sagen, ob China den vordersten Platz 2017 verteidigen kann. Erste Hinweise, wohin der Trend geht, könnte der Hongkonger Ableger der Art Basel liefern, der von Mitte Woche bis Samstag abgehalten wird. Rein nach der Präsenz von 242 Galerien aus 34 Ländern und dem grossen Besucherandrang zu schliessen, befindet sich der Kunstmarkt in einer Topverfassung.

Wenig transparenter Kunstmarkt

Allerdings sind nach Angaben mehrerer von der «Finanz und Wirtschaft» befragter Galeristen dieser Tage merkbar weniger Festlandchinesen in den zwei riesigen Ausstellungshallen des Hongkonger Convention and Exhibition Center zu sehen als noch im Vorjahr. Auch haben gemäss denselben Quellen dieses Jahr weniger amerikanische Privatsammler die Reise nach Hongkong gemacht als 2016.

So oder so lässt sich das Volumen des traditionell wenig transparenten Kunsthandels nur schwer quantifizieren. Das zeigt sich etwa daran, dass die vom «Art Market Report» für 2016 vorgelegten Zahlen markant von denen des «Tefaf-Report» der European Fine Art Foundation abweichen, der für das Vorjahr bei einem Wachstum von 1,7% auf ein Verkaufsvolumen von 45 Mrd. $ kommt.

Die Diskrepanz erklärt sich vor allem daraus, dass Auktionshäuser wie auch Galerien vielfach nur partiell oder gar nichts über ihren Geschäftsgang an die Öffentlichkeit dringen lassen. Darauf weist in einer Präambel auch Clare McAndrew, die Autorin des Art-Basel-UBS-Report, hin.

Kunst als Anlageklasse entdeckt

Trotz dieser Grauzone weisen beide Studien auf die gleichen grösseren Trends hin. Während die Verkäufe von Kunstobjekten im Wert von unter 50’000 $ zwischen 2006 und 2016 mehr oder weniger konstant geblieben sind, wies das Segment von über 1 Mio. $ von 2006 bis 2015 ein Wachstum von rund 400% auf, bis der Markt im Vorjahr über 50% einbrach. Dennoch zeigt die rasante Entwicklung im Hochpreissegment, dass Reiche zunehmend die Anlageklasse Kunst entdeckt haben.

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