Unternehmen / Ausland

Osram-Bieter beissen auf Granit

Grossaktionärin AllianzGI hält die Offerte von Bain Capital und Carlyle für zu niedrig. Auch AMS hat Interesse am deutschen Lichtkonzern gezeigt.

(Reuters/GAH) Der grösste Aktionär von Osram pokert um ein höheres Übernahmeangebot für den deutschen Lichtkonzern. Osram-Aktien seien mehr wert als die 35 €, die die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle zahlen wollen, erklärte Allianz Global Investors (AllianzGI), einer der beiden Vermögensverwalter des Münchner Versicherungsriesen.

AllianzGI hält knapp 9,3% an Osram. Ohne ihre Anteile dürfte es für Bain Capital und Carlyle fast unmöglich werden, wie geplant 70% der Osram-Aktien einzusammeln. «Aufgrund der aktuell vorliegenden Informationen ist AllianzGI derzeit entgegen der Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat der Osram nicht bereit, das Angebot anzunehmen», teilte die Fondsgesellschaft am Mittwochabend mit. Für Bain und Carlyle wird die 4 Mrd. € schwere Übernahme damit immer mehr zum Hürdenlauf.

Auch AMS hat Interesse

Auch der an der Schweizer Börse kotierte österreichische Chiphersteller AMS liebäugelt mit einer Übernahme von Osram. Nachdem das Vorhaben zuerst eingestellt worden war, hatte AMS anlässlich der Halbjahreszahlen bekanntgeben, die Überlegungen wieder aufzunehmen. Das ursprüngliche Angebot umfasste 38.50 € je Osram-Aktie. In München wird der Vorstoss als Störfeuer gewertet. Er dürfte allerdings einige zögernde Aktionäre zusätzlich verunsichern.

Bain Capital wollte sich dazu zunächst nicht äussern, Carlyle war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Offerte läuft noch bis zum 5. September. Bis zum vergangenen Freitag war sie nur für 0,9% der Osram-Aktien angenommen worden.

AllianzGI kritisiert Osram-Führung

In der Mitteilung geht AllianzGI mit der Führung von Osram hart ins Gericht: «Nachdem sich AllianzGI im vergangenen Jahr um einen konstruktiven Dialog mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Osram bemüht hat, ist es umso bedauerlicher, dass die beiden Gremien kein ausreichendes Vertrauen in das von ihnen geführte Unternehmen zu haben scheinen, sondern stattdessen vorziehen, es zu einem Preis zu verkaufen, der nach einem Abschlag aussieht.»

Ein Osram-Sprecher verwies darauf, dass Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot der beiden Finanzinvestoren als fair und angemessen bewertet hatten. Zu den Vorwürfen wollte er sich nicht äussern.

Die Fondsmanager hatten bereits auf der Hauptversammlung gegen die Entlastung von Vorstandschef Olaf Berlien gestimmt. Die Stellungnahme ist für AllianzGI ungewöhnlich – ihre Beteiligung an Osram ist allerdings auch ungewöhnlich hoch. Das Paket ist mehr als 300 Mio. € wert. Doch den Kunden der Allianz-Tochter würden bei einem Verkauf der Aktien an Bain und Carlyle Verluste drohen.

Als AllianzGI 2017 die Schwelle von 5% überschritt, notierte die Osram-Aktie bei 67 €, als sie Ende 2018 weiter aufstockte, bei knapp 40 €. Die Papiere sind auf mehrere Publikumsfonds von AllianzGI verteilt. Bei einem Scheitern des Angebots droht der Aktie laut Analysten aber ein noch stärkerer Kursverfall.

 

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.