Noch hocken sie auf hölzernen Rösschen oder gar nur Steckenpferden, doch sind diese beiden Jungen erst einmal vierzehn (das Foto stammt aus dem vergangenen Jahr), dann dürfen sie sich richtig in den Sattel schwingen und am Osterreiten mittun. Das ist eine prächtige Prozession hoch zu Pferde, die besonders in katholischen Dörfern der Oberlausitz gepflegt wird. So wie hier in Ralbitz-Rosenthal bzw. Ralbicy-Róžant; in dieser Ecke Sachsens wohnt die westslawische Volksgruppe der Sorben. Die erwachsenen Reiter sollen heuer, wie zu lesen ist, unter Einhaltung eines «Hygiene­konzepts» wieder lostrotten dürfen, nach dem Unterbruch der Tradition im vergangenen Jahr. Nun, jedenfalls vielleicht, denn das kann sich über Nacht ändern. Die deutsche Politik vollführt gegenwärtig halsbrecherische Kapriolen (von «la capriola», Bocksprung, eine Übung der klassischen Reitkunst); die Kanzlerin hat jüngst einen peinlichen Abwurf erlitten. Kein Grund allerdings zu wohlfeiler nachbarlicher Häme; Berns Covid-Politik ist nämlich, bei aller gebotenen Milde, nicht ganz das, was gemeinhin als Schweizer Präzisionsarbeit gerühmt wird – die Impfkampagne etwa kommt ungefähr so beschwingt voran wie der Holzgaul hier. (Robert Michael/Keystone)