Wer regiert Belgien? Im Ausland weiss man’s nicht, zu Hause kaum – der Manneken Pis pisst eh drauf. Nun denn: Seit wenigen Wochen ist Sophie Wilmès «Première Ministre en affaires courantes», geschäftsführende Kabinettschefin. Seit dem 18. Dezember 2018 hat das Königreich keine ordentliche Regierung mehr. Damals brach die Koalition von Regierungschef Charles Michel auseinander, der seitdem bis unlängst die Staatsgeschäfte kommissarisch führte, nun aber auf einen EU-Top-Job entwichen ist (kommmoderweise nur zwei U-Bahn-Stationen vom bisherigen Büro entfernt). Am 26. Mai wurde neu gewählt, doch bald ein halbes Jahr danach sind die Parteien von einer Verständigung so weit entfernt wie eh und je: Zur Egalisierung des Regierungslosigkeitsrekords in Friedenszeiten von 541 Tagen, erreicht 2010/11 auch in Belgien, sind sie recht viel versprechend unterwegs. Solange keine Mehrheit steht, wird immerhin, ein nicht zu unterschätzender Vorzug, auch kein Unsinn beschlossen. Die abgeklärten Flamen und Wallonen erdulden die politische Schmierenkomödie gelangweilt-gleichmütig, solange der Nachschub an Bier, Pommes frites und Miesmuscheln klappt. Der Fachbegriff lautet «m’en-foutisme».(Bild: Tourismus, Europa)