Am 10. Januar 1920 nahm der Völkerbund seine Arbeit auf, in Genf. Er richtete sich hier ein, im früheren Hotel National. Seit 1924 heisst es Palais Wilson, es liegt am Quai Wilson: Der damalige amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson hatte Anfang 1918, als noch die Kanonen donnerten, die Grundzüge einer Nachkriegsordnung in Europa umrissen; dazu zählte auch die Errichtung eines Staatenverbunds, in dessen Rahmen die politische Unabhängigkeit und territoriale Unverletzbarkeit der Mitglieder gegenseitig verbürgt werden. Doch der Völkerbund startete schlecht, weil just die USA nicht beitraten, denn der Senat verweigerte dem Präsidenten die Gefolgschaft. Ihren Ansprüchen wurde die «Genfer Liga», wie sie auch hiess, kaum gerecht. So scheiterte sie etwa 1935/36 besonders kläglich, als sie Italiens Überfall auf Abessinien – beide Staaten gehörten der League of Nations an – bloss lau quittierte. Zur gleichen Zeit zog der Völkerbund ins neue Palais des Nations um. 1945 trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft, der Völkerbund wurde ein Jahr später aufgelöst. Seit 1998 hat im Palais Wilson das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte seinen Sitz. In drei Jahren wird es ausziehen. Neue Hotelzimmer für Genf?