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Panalpina-CEO: «Können organisch und anorganisch wachsen»

Der Logistiker soll eigenständig bleiben, wie Panalpina-Chef Stefan Karlen im Gespräch mit FuW betont.

Die Skepsis am Finanzmarkt, dass der dänische Logistiker DSV (DSV 534.2 2.02%) mit seinem Übernahmevorschlag für Panalpina (PWTN 156.1 4.77%) Erfolg hat, ist am Mittwoch gestiegen. Das zeigt sich in den Aktienkursen. Ein Grund könnte sein, dass ein möglicher Schulterschluss von Panalpina mit der kuwaitischen Agility in Branchenkreisen kolportiert wird. Panalpina-CEO Stefan Karlen will im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» dazu nicht Stellung nehmen.

Er bekräftigte aber die Haltung, Panalpina wolle die Rolle eines Konsolidators einnehmen: «Wir haben bei unserer IT und unseren Prozessen sehr grosse Fortschritte gemacht. Das versetzt uns in die Lage, organisch und anorganisch zu wachsen. Es kommen Transaktionen von unterschiedlicher Grösse in Frage. In der Luft- und Seefracht kommt es je länger je mehr auf Volumen an.»

Verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten

Nach Ansicht des Panalpina-CEO könnte das Unternehmen auch Transaktionen von ähnlicher Grösse stemmen, wie Panalpina selbst. «Es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten.» Mit der vergangenen November begebenen Anleihe über 150 Mio. Fr. bis 2022 habe Panalpina gezeigt, dass das Unternehmen auch bei Fremdkapitalgebern anerkannt sei, so Karlen.

Agility mit Sitz in Kuwait kommt gemäss Bloomberg-Daten auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 3,8 Mrd. Fr. – und ist damit ähnlich bewertet wie Panalpina. Im Jahr 2017 erzielte Agility umgerechnet 4,6 Mrd. Fr. Nettoumsatz, während Panalpina auf 5,5 Mrd. Fr. kam. Dann legte Agility auch einen Streit in zivil- und strafrechtlichen Fragen mit dem US-Militär über Betrugsvorwürfe bei, räumte Vergehen ein und zahlte im Rahmen eines Vergleichs.

Hauptaktionär gegen Offerte

DSV hatte Mitte Januar gut 4 Mrd. Fr. oder 170 Fr. je Panalpina-Titel in bar und in Aktien geboten. Noch bevor der Verwaltungsrat zum Übernahmevorschlag des dänischen Logistikers Stellung nehmen konnte, erklärte die dominierende Ernst-Göhner-Stiftung, die 46% an Panalpina hält, dieses Angebot nicht zu unterstützen. Eine qualifizierte Antwort des Panalpina-Verwaltungsrats steht aus. Panalpina-CEO Karlen erklärte nun im Gespräch mit FuW, die Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat sei gut.

Thomas Gutzwiller, Vorsitzender des Panalpina-Ausschussses der Ernst-Göhner-Stiftung, hatte im Interview auch den Werkplatz Schweiz als Argument für die Strategie der Eigenständigkeit angeführt. Panalpina-CEO Stefan Karlen wollte sich nicht auf eine Aussage festlegen, in welcher Variante Arbeitsplätze sicherer seien. Bei Fusionen und Übernahmen gebe es immer gewisse Überschneidungen, erklärte er. Aber: «Die Unternehmenskulturen müssen zusammenpassen.»

DSV wuchs in den vergangenen Jahren erfolgreich mit Akquisitionen. DSV-CEO Jens Björn Andersen hatte im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» erklärt, Ziel sei es, die Margen von Panalpina auf das eigene Niveau zu heben. «Wir rechnen für das zweite Jahr mit einer positiven Auswirkung auf den Gewinn pro Aktie», sagte er zudem mit Verweis auf Erfahrungen aus der letzten grossen Akquisition. DSV erwarb den US-Logistiker UTI im Jahr 2016 für 1,4 Mrd. $.

Druck vom Aktivisten

Der Druck aus dem Panalpina-Aktionariat ist derweil gestiegen. Am Montag hatte sich einer der grösseren Investoren, Artisan Partners, in einem offenen Brief an den Panalpina-Verwaltungsrat gewandt und das Gremium aufgefordert, mit DSV in einer «konstruktiven und transparenten Art» zu verhandeln. Zudem forderte die Investmentgesellschaft, dass VR-Präsident Peter Ulber und Vizepräsident Beat Walti von den Verhandlungen mit DSV ausgeschlossen würden. Beide seien Mitglied des Stiftungsrats der Hauptaktionärin, die das Angebot ablehne, somit bestünde ein Interessenkonflikt. Panalpina wies die Vorwürfe zurück.

Die finanzielle Performance und Corporate Governance von Panalpina standen bereits zuvor im Fokus. Sowohl Artisan Partners als auch Cevian und Franklin Templeton hatten in den vergangenen Monaten Kritik geäussert.

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