Panalpina muss 2017 deutlich mehr Gewinn liefern

Dieses Jahr darf der Frachtlogistiker nicht mehr enttäuschen. Sonst wird das Vertrauen der Investoren weiter beeinträchtigt.
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Abschreibung
Berücksichtigung der technisch und wirtschaftlich bedingten Verminderung des Werts von bilanzierten Aktiven durch Herabsetzen des Buchwerts zulasten der Jahresrechnung oder – in speziellen Fällen – des Eigenkapitals .
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
CEO
Angelsächsische Kürzel für Unternehmenschef (Chief Executive Officer), Leiter der Finanzabteilung (Chief Financial Officer), Leiter Anlagestrategie (Chief Investment Officer) sowie Leiter operatives Geschäft (Chief Operating Officer), die gemeinsam die Geschäftsleitung bilden.
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Dividendenrendite
In Prozenten ausgedrückter Ertrag einer Aktienanlage: Die Dividendenrendite stellt die in einem Jahr ausgeschüttete Dividende in Prozenten des Kurses dar. In der Praxis ist die erwartete Dividendenrendite als Auswahlkriterium relevant, sie ist jedoch nicht gesichert.
Goodwill
Differenz zwischen Börsenkapitalisierung bzw. Verkaufspreis eines Unternehmens und seinem nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ermittelten Eigenkapital . Der Goodwill drückt die nicht buchhalterisch erfassten Werte wie Marktposition, Patente oder Wachstumsmöglichkeiten aus, für die in Haussephasen oft zu hohe Preise bezahlt werden. Der Goodwill darf gemäss dem Rechnungslegungsstandard IFRS nicht mehr über eine bestimmte Zeitdauer abgeschrieben werden, sondern ist regelmässig auf seine Werthaltigkeit zu überprüfen. Im Falle von Wertminderungen ist eine Sonderabschreibung vorzunehmen. Die Richtlinien Swiss Gaap Fer gewähren dem Unternehmen dagegen die Möglichkeit, mit der Erstkonsolidierung einer Akquisition den erworbenen Goodwill erfolgsneutral durch Verrechnung mit dem Eigenkapital abzuschreiben.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs im Verhältnis zum erwirtschafteten oder erwarteten Gewinn pro dividendenberechtigte Aktie . Die Kennzahl zur Aktienbewertung gibt an, wie viel Mal der Gewinn pro Aktie im Aktienkurs enthalten ist. Anhand des KGV können verschiedene Titel innerhalb einer Branche verglichen werden.
Marge
1. Differenz zwischen den Aktiv- und den Passivzinsen einer Bank (Zinsmarge ). 2. Differenz zwischen dem Geldkurs und dem Briefkurs eines Wertpapiers (Geld-Brief-Spanne ). 3. Bareinschuss (Initial Margin , Variation Margin ) bei Futures oder CDF (Sicherheitsmarge). 4. Ergebnis (meist das operative) im Verhältnis zum Umsatz (Return on Sales, RoS).

Die Marktbedingungen in der Speditionsbranche sind rauer geworden. Seit drei Jahren stagniert das Volumen in der See- und der Luftfracht. Das war 2000 bis 2008 mit Wachstumsraten von 4 bis 8% p. a. anders. Die globalen Warenströme sind ins Stocken geraten.

zoomDaran ist auch der wachsende Protektionismus von Regierungen schuld. Laut dem Kreditversicherer Euler Hermes (ELE 89.6 0.11%) wurden seit 2014 weltweit 600 bis 700 neue Handelsbarrieren pro Jahr aufgerichtet.

«Schutzmassnahmen für eigene Industrien hat es immer gegeben. Es bleibt nun abzuwarten, inwieweit die USA unter Donald Trump Schutzzölle beschliessen», kommentiert Panalpina-CEO Stefan Karlen. Betroffen scheine vor allem die Autobranche zu sein. «Wir versuchen, die Bereiche Frischwaren und Chemikalien auszubauen. Dort gibt es Wachstum», betont er.

Mangelndes Wachstum

Seit 2008 ist es Panalpina (PWTN 131.6 0%) nur zwei Mal gelungen, leicht zu wachsen. Auch im vergangenen Jahr dürfte der Umsatz geschrumpft sein.

In der Seefracht hat das Unternehmen Marktanteile verloren, während in der Luftfracht, auch dank einer kleineren Akquisition, Fortschritte verbucht wurden. In beiden Geschäftsfeldern stuft sich Panalpina als Nummer vier weltweit ein; Konkurrent Kühne + Nagel (KNIN 150 0.54%) ist Nummer eins (See) und Nummer zwei (Luft). In der Transportlogistikbranche ist es wichtig, unter den fünf Grössten zu sein. Sie werden in der Ausschreibung von Grossaufträgen automatisch zur Offerte eingeladen.

Was die Profitabilität angeht, muss Panalpina 2017 einen klaren Gewinnfortschritt zeigen. Sonst ist nicht nur die Bewertung an der Börse ungerechtfertigt hoch – eine weitere Enttäuschung würde auch das Vertrauen der Investoren in die Unternehmensleitung beeinträchtigen, die mit viel Goodwill gestartet ist. Unterstützung von den Märkten darf Panalpina keine erwarten. Je nach Hang zu Protektionismus der neuen US-Regierung unter Donald Trump könnte sich der Gegenwind sogar noch verstärken.

Bis 2020 strebt Panalpina eine operative Marge von 25% in der Luftfracht und 20% in der Seefracht an. Das ist viel und zugleich wenig. Viel, weil die Profitabilität derzeit vor allem in der Seefracht darunter liegt. Wenig, weil Kühne + Nagel in beiden Sparten mehr als 30% erreicht.

Keine Aktien für Nervenschwache

Zusammen mit (akquisitorischem) Wachstum und sinkenden Abschreibungen für das IT-Projekt könnte der Gewinn von Panalpina, ein Erreichen der Ziele vorausgesetzt, bis in drei Jahren hebelartig zunehmen. Viel wird davon abhängen, wie gut letztlich das neue IT-Programm funktioniert.

zoomDie Panalpina-Aktien sind nichts für Nervenschwache. Der Börsenkurs ist hohen Schwankungen unterworfen. Mit Blick auf 2017 sind die Valoren mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 höher als die von Kühne + Nagel (21) und der dänischen DSV (DSV 376.7 0%) (20) bewertet. K+N weisen mit 4,1% die höchste erwartete Dividendenrendite auf; Panalpina werfen 3,3% ab, DSV 0,5%.

Nimmt man die Empfehlungen von Finanzanalysten zum Massstab, rücken DSV in den Vordergrund. Gemäss Bloomberg raten 16 von 25 zum Kauf. Im Fall von K+N sind es 6 von 24, für Panalpina können sich nur 4 von 21 erwärmen. Eine vorsichtige Empfehlung lautet: erst unter 110 Fr. kaufen.

Die komplette Historie zu Panalpina finden Sie hier. »

Panalpina-CEO: «Akquisitionen haben höchste Priorität»Stefan Karlen, neuer CEO von Panalpina, will den Frachtspediteur wieder auf Wachstum trimmen. Für 2017 erwartet er aber ein anhaltend schwieriges Umfeld. Kehren Sie hier zum Interview zurück.