Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Immo-Service
Märkte / Immobilien

Pandemie lässt im Ausland die Hypozinsen fallen

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, wie sehr Notenbanken und Regierungen die lokalen Immobilienmärkte vor den Folgen des Lockdown schützen.

Am Schweizer Hypothekarmarkt kehrt Ruhe ein. Die während der akuten Coronakrise zu beobachtende Schwankung der Hypothekarzinsen hat sich gelegt. Die von der Nationalbank durchgeführte Erhebung der Sätze legt offen, dass im Mai die durchschnittlichen Marktsätze in allen Laufzeiten stabil geblieben sind. Tendenziell lagen sie eine Idee tiefer als im Vormonat. Die Sätze für fünf- resp. zehnjährige Hypotheken betrugen schweizweit 1,11 und 1,29%.

Sie befanden sich damit auf dem gleichen Niveau wie Ende vergangenen Jahres. Die Franken-Swapsätze bewegen sich seither seitwärts. Das spricht dafür, dass auch die Hypothekenzinsen weiter stabil notieren. Es scheint, als hätte es den Coronaschock nie gegeben.

US-Hypotheken günstig wie nie

Im Ausland lässt sich das nicht überall sagen. Schauen wir uns dazu die drei Länder an, wo das Virus noch überdurchschnittlich wütet. So spüren die Hypothekarsätze in den USA die Pandemie sehr deutlich. Das Federal Reserve feuert aus allen Rohren, um die Wirtschaft vor der wachsenden Lockdowngefahr zu schützen. Neben Staatsanleihen kauft es pro Woche für rund 100 Mrd. $ mit Hypotheken unterlegte Anleihen und stützt somit direkt den Hypothekarmarkt. Die Sätze liegen daraufhin nahe oder auf dem historischen Tief. Das gilt vor allem für den richtungsweisenden Satz für dreissigjährige Festhypotheken. Er ist diese Woche erstmals unter 3% gesunken und macht Hypotheken so günstig wie nie.

In Schweden, das ebenfalls zu den am heftigsten von der Pandemie getroffenen Industrieländern zählt, fallen die Spuren am Hypothekarmarkt geringer aus. Die Zentralbank kauft ebenfalls Staatsanleihen auf. Zudem stellt sie in Aussicht, dass sie den Leitzins mindestens bis zum Ende der Vorhersageperiode im Herbst 2023 auf 0% halten wird – solange wie keine andere Notenbank. Ihr Vize betont, dass mit der Geldpolitik auch beabsichtigt wird, die Hypozinsen stabil zu halten. Bisher hat sie damit Erfolg gehabt. Die Kreditzinsen, um sich ein Eigenheim zu finanzieren, sind dieses Jahr stabil geblieben, auf einem historisch niedrigen Niveau. Eine zehnjährige Hypothek kostet durchschnittlich 2,5%, eine fünfjährige 1,8%. Die meisten Schweden fürchten nicht, dass die Sätze steigen könnten, was angesichts der Prognose der Notenbank kaum überrascht: Nur 5% der Kreditkunden planen derzeit, den aktuellen Zins zu fixieren.

In Grossbritannien befand sich der Hypothekarmarkt in einem scharfen Preiskampf, bevor der Lockdown das Geschäft abwürgte. Anbieter unterboten sich gegenseitig auf der Suche nach neuen Kunden. Immer häufiger umwarben sie jene, die nur wenig Eigenkapital mitbrachten: 5 oder 10% Unterlegung genügten. Mit dem Ausbruch von Corona korrigierten die Immobilienpreise nach unten, und die Risikokredite wurden tatsächlich zum Risiko. Führende Banken stoppten im März den Verkauf von Ersthypotheken ganz – ein einmaliger Vorfall. Inzwischen sind sie wieder im Geschäft.

Der Markt ist zweigeteilt. Die Risikoprämie bleibt höher als zuvor, was Kunden mit einer schwächeren Bonität zu spüren bekommen. Insgesamt weist der Trend der Hypothekarzinsen jedoch nach unten. Denn die Bank of England hat den Leitzins zweimal gesenkt, und die Regierung beschloss speziell für die Immobilienbranche eine Steuererleichterung: Die Stempelabgabe auf die ersten 500 000 £ bei einem Hauskauf entfällt. Der durchschnittliche Satz für Festhypotheken ist von 2,9% im März auf zuletzt 2,3% gesunken.

Aktive Zentralbanken

Zentralbanken und Regierungen sind also in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Hypothekensätze im In- und Ausland auch in Zeiten von Corona niedrig geblieben oder sogar auf neue Rekordtiefs gesunken sind. Dort, wo der Anteil variabel verzinster Hypotheken hoch ist, wirken Leitzinssenkungen besonders schnell. Ein Beispiel dafür ist Ungarn, wo nur etwa die Hälfte des ausstehenden Volumens Festhypotheken sind.

Um das Kreditgeschäft zu stimulieren, haben viele Währungshüter auch die makroprudenziellen Auflagen gelockert. Dazu zählt die Schweizerische Nationalbank, die im März den antizyklischen Kapitalpuffer aussetzte. Auch die Notenbanken in Dänemark und Tschechien haben ihre Risikovorkehrungen wegen Covid-19 gelockert.

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Leser-Kommentare