Meinungen

Panikmache im Immobilienmarkt

Nach dem Zinsschritt der SNB ist zu lesen, dass Hausbesitzer nun in Not seien. Das ist total übertrieben. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Selbst wenn es eine kleine Korrektur gäbe, wäre das kein Weltuntergang.»

Als Eigenheimbesitzer muss man sich im Moment grosse Sorgen machen. Den Eindruck hat man zumindest, wenn man die Medienlandschaft durchstöbert. Von 20% der Hausbesitzer, die in Not geraten, massiven Verletzungen der Tragbarkeitsregeln und dem Verlust der eigenen vier Wände ist die Rede. Auch wenn es natürlich stimmt, dass die Hypothekarsätze derzeit so hoch sind wie seit zehn Jahren nicht mehr, ist das für mich reine Panikmache.

Hypotheken festgezurrt

Vorausschickend erst einmal eines: Wer in den vergangenen Monaten und Jahren vorgesorgt hat, der hat seine Hypothek langfristig aufgestellt und sich über Jahre hinaus eine tiefe Hypothek gesichert. Das ist schon mal die grosse Mehrheit. Denn dass die Zinsen irgendwann steigen, hat nun wirklich niemanden überrascht.

Und der Immomarkt an sich? Im Moment gibt es in den Zahlen absolut keine Anzeichen für einen Crash. Die Preise steigen, besonders an guten Lagen, weiter. Ja, die SNB (SNBN 6'420.00 -0.31%) weist darauf hin, dass die Bewertungen, gemessen an den Fundamentaldaten, zu hoch seien. Doch daraus gleich einen Crash abzuleiten, wäre falsch. Solche Entwicklungen brauchen meist Jahre. Selbst wenn es eine kleine Korrektur gäbe, wäre das kein Weltuntergang. Ich persönlich rechne mit 5% oder weniger.

Keinen Crash herbeischreiben

Die Banken sind nicht immer übervorsichtig bei der Kreditvergabe und sollten noch strenger sein. Doch insgesamt sind die Anforderungen im Vergleich zu Märkten wie Grossbritannien oder den USA viel härter. Zum Glück.

Dann gibt es da noch die Gefahr, eine Krise herbeizuschreiben und so Wohneigentumsbesitzer und Interessenten zu verunsichern. Mein Ratschlag: Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Lage ist besser, als sie im Moment dargestellt wird.

Leser-Kommentare

Roger Mathis Mathis 21.06.2022 - 17:57

Da bin ich mit Ihnen 100% einig Herr Schwalbe. Wie vieles heutzutage, wird auch hier eine Krise herbeigeredet – und leider glauben es dann noch viele! Hoffentlich behalten die meisten die Nerven, dann kommt auch keine Krise!

Sebastian Schulthess Schulthess 23.06.2022 - 13:10
Steigende Zinsen mit gleichzeitigem Abbau der gigantischen Notenbankbilanzen sowie einer hochschiessenden Bauinflation ist ein Cocktail der sich nur schwer “verdauen” lässt. Meiner Meinung nach sind zu viele Investoren mit einer zu geringen Liquidität im Markt engagiert – Asset rich / cash poor – ist sehr ungemütlich in diesem Umfeld. Es ist wie bei Ebbe und Flut – jetzt werden wir… Weiterlesen »
Pascal Fuchs 24.06.2022 - 10:24

Betrachtet man alleine die demographische Entwicklung und das Grundbedürfnis nach Wohneigentum sind wir von einer Krise noch weit entfernt. Leider gubt es immer schwarze Schafe welche mit polemischen Aussagen die Boulvardpresse befeuern. Dazu gehört ganz vorne Ihr Gastschreiberling CEO des IAZI welcher mehr an seiner Publicity als an seriösen Lagebeurteolung interessiert ist.

oliver schmid 24.06.2022 - 11:06
“Im Moment gibt es in den Zahlen absolut keine Anzeichen für einen Crash.” Das ist richtig. Nur hat es so auch vor einem Jahr hier zu Inflation geheissen: alles bestens, die Inflation ist nur Temporär. Daher, besser mal abwarten und in ein paar Monaten sehen wir ob es ernst wird. Ausschliessen würde ich es nicht. Es gibt noch zu viele… Weiterlesen »