Märkte / Devisen

Verspätete Marktreaktion auf Italiens Regierungskrise

Die Bildung einer Regierung aus populistischen Parteien ist gescheitert. Nun soll eine Übergangsregierung eingesetzt werden. Zuerst reagierten die Kurse positiv, dann drehte sich das Bild.

Die Angst vor einer Eurokrise geht an den Finanzmärkten um – in Italien haben Populisten die Parlamentswahlen gewonnen, in Spanien steht Premierminister Mariano Rajoy vor einem Misstrauensvotum. Vergangene Woche reagierten die Märkte nervös.

Nun gibt es eine neue Entwicklung: Der italienische Präsident Sergio Mattarella hat den Wirtschaftsexperten Carlo Cottarelli mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt und setzt auf Neuwahlen. Er habe den Auftrag angenommen, teilte der frühere IWF-Vertreter am Montagmittag mit. Aufgabe seiner Regierung werde die Verabschiedung des Haushalts für das kommende Jahr sein. Wahlen werde es entweder im Herbst oder Anfang kommenden Jahres geben.

Am Wochenende hatte Mattarella den Eurokritiker Paolo Savona als Wirtschaftsminister abgelehnt. Der designierte Premier Giuseppe Conte brach die Regierungsbildung daraufhin ab. Eine Regierung aus der Fünfsternebewegung M5S und der Lega Nord kommt damit vorerst nicht zustande.

Zwar ist der akute Grund für die Angst an den Märkten vor einem anstehenden Euroaustritt Italiens gebannt. Doch es ist sehr unsicher, ob Neuwahlen eine Regierung hervorbringen würden, die den Märkten besser behagt.

Trotz des unsicheren Ausblicks haben Währungen und Aktien am Montagmorgen paradoxerweise zuerst positiv auf das Scheitern der Regierungsbildung reagiert. Doch zum Mittag hat sich die Meinung der Marktteilnehmer wieder geändert – die Nervosität um die Eurozone geht doch wieder um.

Reaktion Euro

Der Euro hat sich seit dem Tiefpunkt Freitagnacht bis Montagmorgen erholt. Doch dann kam sie wieder unter Druck und wertete sich steil ab. Die Währung notierte am Montagmittag auf 1.1650 $/€ und 1.1560 Fr./€, etwa den Niveaus von Freitag.

Damit setzt sich der Wertverlust des Euros über die vergangenen Monate fort. Seit Mitte April hat der Euro gegenüber dem Franken 2,5% abgegeben. Wegen der höheren Zinsen in den USA beträgt der Verlust zum Dollar gar 5,5%.

Reaktion Anleihenmarkt

Über die vergangene Woche sind die Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Italien und Spanien gegenüber den deutschen Bundesanleihen stark gestiegen. Auch hier haben sich als erste Reaktion am Montagmorgen die Märkte beruhigt, um dann nur weiter zu steigen.

Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentieren nun 2,6% – das sind 13 Basispunkte mehr als noch am Freitag. Der Risikoaufschlag zweijähriger Anleihen hat am Montagvormittag gar 48 Basispunkte zugelegt. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2013, als die Eurokrise die Vertrauenswürdigkeit der Regierung unterminierte.

Die deutschen zehnjährigen Anleihen rentieren mit 0,4% dagegen weniger als noch am Freitag. Am Montagmorgen war der Risikoaufschlag für Italien unter die Marke von 2 Prozentpunkten (Pp.) gefallen, nun liegt er bei 2,2 Pp.

Spanische Obligationen rentieren etwa 1,1 Prozentpunkt mehr als deutsche Bunds – etwas höher als noch am Freitag.

Reaktion Aktien

Italienische Aktien, gemessen am FTSE Mib (Mib 18878.31 -0.14%) Index, haben seit dem Jahreshoch am 7. Mai über 7% abgegeben. Der Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 3180.74 -0.3%), der die wichtigsten Unternehmen der Eurozone umfasst, hat in dieser Zeit weniger als 1% eingebüsst.

Am Montagmorgen sind die Börsen der Eurozone mit Kursgewinnen in die Woche gestartet. Nur um am Mittag wieder Verluste zu schreiben.

Ausblick

Statt auf makroökonomische Entwicklungen zu achten – also die Konjunkturerholung, die Inflationsentwicklung und die geldpolitische Reaktion –, könnten die Märkte in das überwunden geglaubte Muster während der Eurokrise zurückfallen. Damals galt «Risk on, Risk off» – je nachdem, wie die politische Entwicklung der Europeripherie bewertet wurde, stiegen oder sanken die Kurse.

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