Dieses Bild ist subversiv. Der leere, starre Blick aus den acht Augen der chinesischen Musterfamilie lässt sich als stummer Protest lesen: gegen den von Peking forcierten kommunistischen Einheitsfrohsinn. Das Werk gehört zum eben eröffneten M+, dem Kunstmuseum in Hongkong, das die Sammlung des Schweizers Uli Sigg beherbergt. Der frühere Industrielle und Botschafter hat über Jahrzehnte chinesische Kunst erworben, die er nun dem Publikum zugänglich macht. Fragt sich freilich, ob Staatschef Xi und Konsorten die stille Botschaft dieser Gemälde dulden werden. Schliesslich dürfen die roten Führer bereits stolz sein auf grosse Fortschritte in ihrem Feldzug, das einst quirlig weltstädtische Hongkong zu einem – der schieren Grösse ungeachtet – faden chinesischen Provinzkaff gleichzuschalten. Die Leute auf Taiwan dürften genauso verdattert und verängstigt darauf blicken, was hier für ein Trauer- und Schauerspiel durchgepeitscht wird. Am 19. Dezember veranstalten die ­Behörden «Wahlen» in die Hongkonger Ratsversammlung, wobei im Voraus dafür gesorgt ist, dass ausschliesslich von Peking gesalbte «Patrioten» entsandt werden. Wer zu Boykott oder Leereinwurf aufruft, macht sich strafbar.