Zum Thema: Die verflixt einfache Lösung

Pensions-Kassen-Sturz vom Mai 2013

Seit Jahren halten die schweizerischen Pensionskassen ein gutes Viertel des Sparvermögens in Aktien und ein weiteres Fünftel in Vermietliegenschaften, wie aus der neuesten Umfrage des Vermögensverwalters Swisscanto hervorgeht. Die britischen Vorsorgeeinrichtungen hingegen haben gemäss dem Beratungsunternehmen Mercer das Aktiengewicht über die vergangenen zwölf Monate trotz haussierenden Kursen von 43 auf noch 39% des Gesamtvermögens zurückgeschnitten.

Die Kassen verminderten die Aktienorientierung, um die Schwankung des Portfoliomarktwerts und folglich des Deckungsgrads der Verpflichtungen zu dämmen. Umgeschichtet wird gemäss Mercer in andere Sachanlagen, aber solche mit geringerer Preisvolatilität. Vermehrt berücksichtigt würden Vermietliegenschaften, kommerziell betriebene Infrastrukturanlagen sowie land- und forstwirtschaftliche Ländereien.

Die 343 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen, die an der diesjährigen Swisscanto-Umfrage teilnahmen, haben die kumulierte Anlagesumme von 481 Mrd. Fr. Ende 2012 zu 27,6% in Aktien und zu 20,3% in Immobilien investiert. 7,4% der Vermögen waren in Geldmarktanlagen platziert, was wohl mit der seit 2008 stetig leicht rückläufigen Quote der Festverzinslichen zusammenhängt. Diese Investments machten Ende 2012 noch 35,8% der Pensionskassenvermögen aus.

19% Aktienpotenzial bis 2015

Die Untergewichtung von Obligationen entspricht der Anlageempfehlung von Swisscanto. Insbesondere lang laufende Staatsanleihen seien überteuert und rückschlagsgefährdet, begründet die zur Kantonalbanken-Gruppierung gehörende Vermögensverwalterin. Den Vorzug gegeben wird Unternehmensanleihen, die zwar ebenfalls nur geringen Preisspielraum (Aufwertungspotenzial) aufwiesen, aber einen höheren Zinsertrag böten.

Die Bewertung der Aktienmärkte – insbesondere der europäischen – sei noch immer im attraktiven Bereich. Die Trends für weitere Aktienavancen seien deshalb intakt, meinen die Swisscanto-Experten. Unter der Annahme, dass die Niedrigzinspolitik der bedeutenden Notenbanken zwei weitere Jahre anhält, errechnen sie für die Aktienbörsen ein Steigerungspotenzial um weitere 19% bis 2015.

Nach der Jahresperformance von im Mittelwert 7,2% deckte das Vermögen der Pensionskassen der Privatwirtschaft Ende 2012 die bilanzierten Verpflichtungen im Schnitt zu 109,4%. Die an der Swisscanto-Umfrage teilnehmenden Kassen der öffentlichen Hand weisen per Ende 2012 einen Deckungsgrad von durchschnittlich 90,3% auf. Zu berücksichtigen ist, dass viele staatliche Vorsorgewerke nie vollständig finanziert gewesen sind und folglich das Manko nicht oder nicht gänzlich auf Anlagemisserfolg zurückzuführen ist.

Erst ganz wenig überdeckt

Eine differenzierende Deckungsgradberechnung nimmt die Beratungsgesellschaft PPCmetrics vor. Dazu legt sie den Bilanzwert der laufenden Renten privatwirtschaftlicher Pensionskassen zum Diskontsatz gemäss aktueller Zinslandschaft fest. Was vom Gesamtvermögen nach Deckung dieses Betrags übrigbleibt, wird den aggregierten Ansprüchen der Beschäftigten gegenübergestellt. Sie sind ja die Risikoträger der Vorsorgeeinrichtungen und können am sogenannt risikotragenden Deckungsgrad die für sie relevante finanzielle Lage erkennen. Gemäss Hochrechnung von PPCmetrics ist dieser Wert im April weiter auf 100,7% gestiegen.