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Pensionskassen zeigen eine zu gute Finanzlage

Schweiz: Guthaben von rund 450 000 Versicherten sind unvollständig gedeckt, trotz anderslautender Kommunikation.

Die Finanzierungssituation der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen habe sich 2012 wie auch im laufenden Jahr markant verbessert, sagte Alfred Bühler von PPCmetrics am Montag an einer Medienorientierung: «Wir dürfen von einer Trendumkehr sprechen.» Die Beratungsgesellschaft hat die Daten von 250 Vorsorgeeinrichtungen mit einer kumulierten Vermögensmasse von rund 500 Mrd. Fr. analysiert.

Im Durchschnitt seien die gesetzlichen Verpflichtungen der privatrechtlichen Kassen vollständig gedeckt. Es bestünden jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Vorsorgeeinrichtungen. «Rund 450 000 aktive Versicherte von privatrechtlichen Kassen sind mit einem risikotragenden Deckungsgrad von unter 100% versichert.» In vielen öffentlich-rechtlichen Kassen würden gar nach wie vor teilweise erhebliche Unterdeckungen bestehen.

Zinstief bläht Rentenwert auf

Dieser Befund bleibt nach der Gegenüberstellung des üblichen Vorgehens zur Berechnung des Deckungsgrads mit der Kalkulation des risikotragenden Deckungsgrads. Diese Verhältniszahl zeigt vereinfacht ausgedrückt, wie viel des Pensionskassenvermögens den Haftenden bleibt, wenn sämtliche laufenden Rentenverpflichtungen zu aktuellen Marktzinsen bewertet werden.

Risikoträger sind die Beschäftigten, denn sie allein sind zusammen mit dem arbeitgebenden Unternehmen zur Sanierung einer in Schieflage geratenen Vorsorgeeinrichtung verpflichtet, wie der PPCmetrics-Vertreter darlegte. Die Aktiven haben dabei auch für die Sicherung sämtlicher Ansprüche der Rentenbeziehenden einzustehen. Die tabellarische Darstellung illustriert, wie der Barwert der fixen Rentenverpflichtungen wegen Diskontierung zu aktuell geringen Marktzinsen gegenüber der üblichen Berechnungsweise umfangreicher ausfällt. In der Ausgangslage bilanziert die Pensionskasse die laufenden Renten zum Diskontsatz von 2,5% (technischer Zins), womit im Beispiel das vorhandene Gesamtvermögen je hälftig den Rentnern und den Beschäftigten zugewiesen wird. Der Deckungsgrad entspricht 100%. Mit einer ökonomischen Berechnung anhand der aktuell geringeren Marktzinsen ergibt sich eine massgebliche Verschiebung dieser Anteile. Da aufgrund der Niedrigzinsen ein vergleichsweise grösserer Anteil des gesamten Kassenvermögens den finanziell gesicherten Rentnern zuzuordnen ist, bleibt weniger zur Deckung des Anspruchs der Beschäftigten (sogenannte Freizügigkeitsleistung bzw. Summe aller geleisteten Beiträge und Einzahlungen). Die Deckungssituation der Risikoträger bzw. der Beschäftigten ist im Rechenbeispiel mit 74% weit geringer, als es die standardmässige Darstellung und die damit einhergehende Kommunikation erwarten liesse.

Beitrag zu mehr Transparenz

PPCmetrics hat für ihre Berechnungen die unterschiedlichen technischen bzw. Diskontzinsen der Pensionskassen und ihre Demografiewerte (Zahl der Rentner und der Beschäftigten sowie Lebenserwartungsannahmen) neutralisiert und auf den gleichen Nenner gebracht. Daher erlaube der risikotragende Deckungsgrad einen transparenten Vergleich der Finanzierungssituation verschiedener Vorsorgeträger sowie eine Darstellung der Risikobelastung der aktiven Versicherten und ihres Arbeitgebers, betonte Bühler.

Die Situation jeder Pensionskasse ist folglich massgeblich vom angewendeten Diskontzins, der Altersstruktur und den reglementarischen Verpflichtungen abhängig. Auf www.deckungsgrad.ch lässt sich die Berechnung des risikotragenden Deckungsgrads online vornehmen. Damit will PPCmetrics den Entscheidungsträgern der Pensionskassen ermöglichen, sich ein vielschichtigeres Bild ihrer Kasse zu machen. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?