Meinungen

Perfekt lauwarm

Die Börsen haben sich mit dem schwachen Konjunkturklima arrangiert. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Das Kapital ist weiterhin billig zu haben und nicht besonders anspruchsvoll.»

Auf den ersten Blick sind die Aussichten für die Börsen nicht gut. Die Konjunktur schwächelt weltweit. Gemäss einer Umfrage erwarten institutionelle Anleger über die nächsten zwölf Monate stagnierende oder gar sinkende Unternehmensgewinne. Der Anleihenmarkt signalisiert weiter Wachstumspessimismus – manche erwarten aufgrund der fallenden Langfristzinsen, dass die USA bald in eine Rezession rutschen.

Doch eine lauwarme Konjunktur und Börsenstimmung – weder zu kalt noch heisslaufend – reicht aus, um die Börsen auf hohem Niveau zu halten. Bleiben Schocks aus, wie etwa ein eskalierender Handelskrieg zwischen den USA und China, dann könnten sich die Aktienkurse den schlechter werdenden Wirtschaftsdaten entziehen.

Wieder einmal sind die Erwartungen zur Zinspolitik die entscheidende Stütze für die Börsen. Wenn die Zinsen niedrig blieben, dann gibt es keinen Grund, das Geld aus Anleihen in Aktien umzuschichten. Das Kapital ist weiterhin billig zu haben und nicht besonders anspruchsvoll. Das sorgt auch für Übertreibungen und Investitionen in Anlageklassen ohne Rendite – man denke an Bitcoin (Bitcoin 10248.47 0.1%), Gold (Gold 1502.36 0.27%) oder verlustmachende Start-ups.

Einzelne Titel sind vielleicht zu hoch bewertet, aber an den Börsen insgesamt ist von Euphorie nichts zu spüren. Die Anleger sind bescheidener und realistischer geworden hinsichtlich der erwarteten Performance. Auch das spricht dafür, dass die lauwarme Stimmung den Aktienkursen nichts anhaben wird. Wer in Unternehmen mit einem stabilen Geschäft und einem guten Management investiert, wird wohl weiterhin eine Prämie erwirtschaften. Gegenüber der Alternative von Null- und Negativzinsen ist das nicht schwierig.

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