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Peter Fankhauser: Zurück bleibt das Abzocker-Image

Der Berner Touristikmanager wird als Totengräber von Thomas Cook in die Geschichte eingehen. Die Schuld am Scheitern trägt er nicht allein.

Knapp 9 Mio. £ hat Peter Fankhauser als Chef des in Konkurs geratenen Ferienanbieters Thomas Cook (Thomas Cook 0 0%) verdient. Umgerechnet sind das über 11 Mio. Fr., die der 58-jährige Berner seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren erhalten hat. Als «Fat Cat» wird er von der britischen Boulevard-Postille «Daily Mail» bezeichnet, als Abzocker, der sich vom Management das Geld zuschieben liess.

Fankhauser wird nicht mit dem eigenen Geld für den Untergang der britischen Ikone haften müssen. Aber der in verschiedenen Schweizer Zeitungen als bodenständig beschriebene Touristikmanager wird als Totengräber von Thomas Cook in die Geschichte eingehen. An diesem Bild ändert auch sein etwas hilflos wirkender letzter Auftritt am Fernsehsender Sky News nicht. Mit seinem unverkennbar schweizerisch angehauchten Englisch las er von einem Zettel eine Mitteilung des Bedauerns ab, ohne dabei wirklich Emotionen zu zeigen. Als Folge des Konkurses dürften 21’000 Mitarbeiter ihren Job verlieren, 150’000 britische Touristen sind gestrandet.

Es wäre jedoch falsch, die Schuld am Scheitern des Konzerns nur Fankhauser zuzuschreiben. Seit zehn Jahren befand sich Thomas Cook am Rande des Scheintods, immer wieder gelang es dem Management, Fehler der Vorgänger auszumerzen und dem Unternehmen vorübergehend wieder etwas Leben einzuhauchen. Infolge mehrerer Übernahmen war Thomas Cook hoch verschuldet, 2012 hatte der damalige Besitzer bei einer Übernahme zusätzliche 1200 Filialen übernommen, obschon der Trend zu Online-Buchungen unverkennbar und unverrückbar war. Am Montag wies das Unternehmen Verbindlichkeiten von 1,7 Mrd. £ auf.

Fankhauser übernahm das Steuer bei Thomas Cook 2014, als seine Vorgängerin Knall auf Fall den Tour Operator verlassen musste. Wenige Monate nachdem er als möglicher Chef von Kuoni gehandelt worden war, erreichte er sein Ziel: an der Spitze eines Unternehmens zu stehen.

Als Absolvent der Hochschule St. Gallen war der Burgdorfer prädestiniert, Karrierist zu werden. So verwundert es nicht, dass sein erster Job ihn zu McKinsey führte. Er, der in seiner Jugend mit Fleiss und harter Arbeit als Kunstturner die Aufnahme ins Schweizer B-Kader schaffte, war auch im Arbeitsleben ehrgeizig. Nach dem McKinsey-Abstecher zog es ihn in die Tourismusbranche zu Kuoni, wo er sich erst zum Leiter der Unternehmensentwicklung hocharbeitete und später in die Konzernleitung berufen wurde. Danach übernahm er die Führung von LTU, einem Charter- und Touristikunternehmen in Düsseldorf, 2001 wurde er zum Vorstandsmitglied bei Thomas Cook berufen.

Zuletzt ist der vierfache Vater auch daran gescheitert, dass das Geschäftsmodell von Thomas Cook von der Realität überholt wurde. Klassische Pauschalreisen sind auch in Grossbritannien je länger, je weniger gefragt, die Gewinnwarnungen haben sich gehäuft. Als Fankhauser das Chefamt antrat, wollte er den Kunden grossartige Ferien und den Investoren ebensolche Erträge bieten. Während Anleger mit Thomas-Cook-Aktien schon seit Jahren Verluste erleiden, hat Fankhauser nun auch seine Kunden im Stich gelassen.

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