Wenn man die Werbung betrachtet, all die Fachblätter und überhaupt die sozialen Medien, dann beschleicht den vorurteilsfreien Betrachter, die unabhängige Betrachterin das Gefühl, dass spätestens in einer Woche alle Automobile nur noch elektrisch einherrollende Smartphones auf Rädern sein werden. Einmal abgesehen davon, dass über 99% aller Fahrzeuge auf dem Erdball weiterhin von einem Verbrenner angetrieben werden, bleibt auch der Marktanteil der reinen Stromer bei den aktuell verkauften Autos weltweit im klar einstelligen Bereich – in der Schweiz ist er unterdessen knapp zweistellig.

Nimmt man noch die Gebrauchten dazu, von denen nicht nur in der Schweiz doch reichlich mehr als Neue an den Mann und an die Frau gebracht werden, dann muss man sich schon fragen: «Where’s the beef?» Es wird noch eine mittlere Ewigkeit dauern, bis sich dieses Gesamtbild ändern wird, und alle Autohersteller, die jetzt schon ganz allein auf E-Mobilität setzen, werden einen langen Atem und vor allem ein ganz dickes Portemonnaie brauchen, um diese Phase zu überstehen.

Stellantis, dieses so komplizierte Konstrukt aus Peugeot (PSA) und Fiat Chrysler (FCA), hat im vergangenen Jahr den 208 und den 2008 auf den Markt gebracht. Beide Modelle stehen in ihrem Segment in Europa ganz vorne. Der 208 ist sogar das meistverkaufte Automobil auf dem ­alten Kontinent. Reine E-Modelle sind von all diesen verkauften Löwen, obwohl sie gute, auch preislich vernünftige Produkte sind, keine 15%. Dass sich die Franzosen Zeit lassen werden, den neuen 308 ebenfalls als Stromer anzubieten, ergibt vor diesem Hintergrund Sinn.

Volles Programm

Es ist vielleicht der wichtigste Punkt bei diesem neuen Peugeot 308: Vernunft. Selbstverständlich ist der Löwe ein hübsches Fahrzeug. Fast alle Peugeot der vergangenen zehn Jahre konnten mit ihrem Design überzeugen. Man kann sich damit sehen lassen, man ist definitiv nicht falsch angezogen, man kommt nicht mit kurzen Hosen auf das edle Hochzeitsfest, weil man die Einladung zu wenig genau gelesen hat. Stellantis hat das Design im Griff, bei Peugeot erinnert die Front an den Angriff eines Säbelzahntigers – nie hat das besser gepasst als beim 308. Man wird ihn gut erkennen, wenn man den jungen Löwen im Rückspiegel sieht.

Bei Stellantis ist die EMP2-Plattform das, was MQB im Volkswagen-Konzern ist: die Allzweckwaffe. Man mag schon gar nicht mehr zählen, wie viele unterschiedliche Modelle diese Basis nutzen. Die Synergien und Skaleneffekte sparen Geld, machen die Autowelt aber nicht unbedingt spannender. Stolze 11 cm länger ist der neue 308, dabei aber 2 cm flacher, der Radstand wächst um 5,5 cm.

Wenn etwas erstaunt, dann vielleicht, dass die Kabine deutlich weiter hinten liegt und damit die Motorhaube so lang wird, dass wohl auch ein V8 darunter Platz fände. Aber vielleicht braucht es diesen optischen Akzent, damit man das auf den vorderen Kotflügeln angebrachte neue Emblem der Marke auch wirklich wahrnimmt. EMP2, das bedeutet auch volles Programm bei den Antrieben. Zu Beginn kommen zwei PHEV (180 und 225 PS) und zwei Benziner. Diesel werden nicht mehr in allen Ländern angeboten, der reine Stromer wird, wie schon erwähnt, nach­gereicht. Nein, kein 4×4, auch nicht als Plug-in-Hybrid. Aber ja, auch PSE wird seine Hände an das neue Fahrzeug legen dürfen. Und ja, es wird auch wieder einen Kombi geben.

Und innen gibt es selbstverständlich wieder ein i-Cockpit, wie beim 208 in 3-D-Darstellung. Neu sind die i-Toggles, die die bisherigen Klaviertasten unter dem Touchscreen ersetzen. Man kann sie frei konfigurieren. Man wählt aus, worauf man gerne Schnellzugriff hat, Klima, Navi, Radio, Assistenzsysteme, und ordnet die Kacheln dann in der gewünschten Reihenfolge an. Für die Lüftung/Heizung gibt es weiterhin physische Schalter, und das ist gut so. Gut ist auch, dass Peugeot Opel das Regime bei der Entwicklung der Sitze überlässt, auf Wunsch sind im 308 also auch die wirklich guten AGR-Sessel er­hältlich. Der ganze Innenraum wirkt wie aus einem Guss, die verarbeiteten Materialien sind hochwertig, die Verarbeitungsqualität machte schon bei den Prototypen, die wir fahren durften, einen ­ausgezeichneten Eindruck. Überhaupt benutzt Peugeot gern einen Ausdruck, der sinnbildlich steht für den neuen, selbstbewussten Auftritt: Up-market.

Der Kreis schliesst sich

Und genau so ist auch der erste Fahr­eindruck: Der neue Peugeot 308 macht seine Sache gut. Er wirkt unaufgeregt, ­souverän und konsequent. Man sitzt bequem, das i-Cockpit sorgt für gute Übersicht, das Bediensystem ist selbsterklärend. Das Fahrwerk ist mehr auf der ­komfortablen Seite, aber alles andere als schwammig. Auf einer ersten Ausfahrt in die Vogesen lieferte der Franzose auch die Fahrfreude, die wir bei den meisten ­E-Modellen vermissen.

Damit schliesst sich auch ein Kreis: Der neue Peugeot ist ganz einfach ein gutes, klassisches Automobil geworden, wie es sich die ganz grosse Mehrheit der Käufer wünscht. Schwächen sind eigentlich keine erkennbar. Die Preise orientieren sich an dieser Konkurrenz, es beginnt ab 28 500 Fr. Die ersten Fahrzeuge werden dieser Tage ausgeliefert.

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