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Pfizer und Glaxo schmieden Milliardendeal

Durch das Bündnis der Pharmariesen entsteht ein neuer Weltmarktführer im Bereich Consumer Healthcare.

(Reuters) Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK 1653 -2.13%) spaltet sich auf und schmiedet mit dem US-Rivalen Pfizer (PFE 38.19 0.03%) ein milliardenschweres Bündnis bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Pfizer werde seine Sparte in das entsprechende Geschäft von Glaxo einbringen, teilten die beiden Firmen am Mittwoch mit. Zusammen stehen die beiden Geschäfte mit Marken wie Sensodyne, Voltaren und Fenistil von Glaxo sowie Centrum-Vitaminen und Baldriparan-Schlaftabletten von Pfizer für einen Umsatz von rund 12,7 Mrd. $ 2017.

Glaxo will das geplante Gemeinschaftsunternehmen, an dem die Briten 68% und Pfizer 32% halten sollen, innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Transaktion abspalten und an die Börse bringen. Der Konzern würde sich dann auf die Geschäfte mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und Impfstoffe konzentrieren.

An der Börse kamen die Pläne gut an: Die Aktien von Glaxo stiegen in London um bis zu 5,6% und steuerten auf den grössten Tagesgewinn seit fast zehn Jahren zu. Glaxo-Chefin Emma Walmsley, die 2017 das Ruder übernommen hatte, würde den Pharmakonzern damit deutlich umformen. Einige Investoren hatten bereits eine Aufspaltung gefordert, das hatte Walmsley bislang aber zurückgewiesen und betont, dass der Vorstand hinter der Struktur von Glaxo stehe. Der mit Pfizer angekündigte Deal sei eine «einmalige Gelegenheit», erklärte sie nun.

Mit der Zusammenlegung der beiden Geschäfte werde ein Marktführer bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten mit grossem Abstand zur Konkurrenz geschaffen. Glaxo könne dadurch zudem Investitionen in seine Pharma-Forschung besser planen. Walmsley sagte, der Deal habe einen «unvermeidlichen Einfluss» auf Arbeitsplätze, sorge aber auch für Kosteneinsparungen in der Beschaffung und in der gesamten Lieferkette.

Pfizer-Sparte stand schon länger auf dem Prüfstand

Innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss der Transaktion, die für das zweite Halbjahr 2019 erwartet wird, kann Glaxo alleine entscheiden, ob und wann das Gemeinschaftsunternehmen an die Börse gebracht wird. Danach hätte Pfizer ein Mitspracherecht. Der US-Konzern hatte schon länger Optionen für sein Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten geprüft und hätte bei einem Verkauf auf einen Preis von bis zu 20 Mrd. D$ hoffen können.

Lange Zeit galt Glaxo als wahrscheinlichster Kaufkandidat der Pfizer-Sparte, die Unternehmen wurden sich aber beim Kaufpreis nicht einig. Die Briten hatten erst im Frühjahr ihr Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten weiter ausgebaut und für 13 Mrd. $ die Beteiligung der Schweizer Novartis (NOVN 83.03 -0.42%) an dem Bereich von 36,5% gekauft.

Die beiden Deals stehen beispielhaft für die Umbrüche in der Branche. Viele Pharmakonzerne trennen sich von dem Geschäft, zu dem zwar oft bekannte Marken gehören, es wirft aber niedrigere Renditen ab als hochspezialisierte; verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dazu kommt hoher Preisdruck wegen der Konkurrenz durch Online-Händler und günstigere Marken.

Der Leverkusener Bayer-Konzern leidet deshalb bereits seit längerem unter mauen Geschäften in dem Bereich. Die Darmstädter Merck (MRK 80.72 2.13%) (MRK 103.15 -2.5%) hatte dieses Frühjahr den Schlussstrich gezogen und ihre rezeptfreien Gesundheitsprodukte für 3,4 Mrd. € an Procter & Gamble (PG 115.92 -0.12%) verkauft.