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Das Pfund auf Dreissigjahrestief zum Dollar

Die britische Premierministerin bringt mit ihrem Brexit-Plan das Pfund ins Straucheln. Der Aktienmarkt erreicht ein Allzeithoch.

Alexander Trentin

Nun ist es sicher: Im März nächsten Jahres werden die Brexit-Verhandlungen offiziell von der britischen Regierung beantragt. Grossbritannien könnte dann Mitte 2019 aus der Europäischen Union ausscheiden. Das erklärte die britische Premierministerin Theresa May am Sonntag.

Seitdem sackt das britische Pfund ab.

Gegenüber dem Franken notiert die britische Währung nun tiefer als nach der Aufhebung der Untergrenze des Frankenkurses zum Euro im Januar 2015.

Heute kostet das Pfund zeitweise 1.2450 Fr. Schon Mitte August kostete das Pfund so wenig.

Noch Anfang 2016 lag der Kurs bei 1.48 Fr./£. Die britische Währung wertete sich also in Jahresfrist um über 15% ab.

Das Pfund ist gegenüber dem Franken nun fast auf einem Allzeittief. Vor der Einführung der Kursuntergrenze zum Euro notierte der Franken kurzzeitig unter 1.20 Fr./£.

Seit Jahrzehnten wertet die britische Währung ab. Noch in den Siebzigerjahren kostete das Pfund über 10 Fr.

Vor der Finanzkrise, im Jahr 2007, lag der Kurs über 2.40 Fr. je Pfund – seitdem hat die britische Währung also rund die Hälfte ihres Werts in Franken eingebüsst.

Gegenüber dem Dollar notiert das Pfund nun so schwach wie seit dem Jahr 1985 nicht mehr. Damals notierte der Kurs kurzzeitig unter 1.10 $/£. Heute liegt der Kurs auf 1.276 $/£.

Wer britische Aktien hält, wird sich zwar über die schwache Währung ärgern. Gleichzeitig können sich Aktionäre über höhere Kurse freuen.

Der FTSE 100 legte diese Woche knapp 2% zu. Seit dem Brexit-Entscheid am 23. Juni stieg der Leitindex der Londoner Börse um 11%.

Im Intraday-Handel erreicht er sogar ein Allzeithoch von 7111 Punkten – aber nur in Pfund gerechnet.

Mit einer schwächeren Währung steigen die Preise für importierte Güter. Das zeigen die Markterwartungen für die Inflation.

Am Terminmarkt werden dafür Derivate – Inflationsswaps – gehandelt. Demnach wird nun eine langfristige Teuerungsrate von 3,4% erwartet. Noch kurz vor der Brexit-Entscheidung lag die erwartete Inflationsrate unter 3%.