Der MSCI-Sektor Healthcare umfasst sechs Industrien, worunter Pharma mit einem Anteil von 43% der grösste ist. Die anderen sind Biotechnology, Healthcare Equipment & Supplies, Healthcare Providers & Services, Healthcare Technology und Life Science Tools & Services.

Seit mittlerweile drei Jahren gibt es drei Konstanten: Die erste sind Warnrufe, die Börsen seien teuer oder sogar zu teuer, die zweite ist relativ starker  Sektor (Information Technology) und die dritte eine abwechslungsreiche Ablösung der relativen Stärke unter den anderen zehn Sektoren.

Seit Herbst vernachlässigt

Die Geschichte von Healthcare passt genau in das Schema. Die relative Schwäche zum MSCI Welt begann nach vierjähriger relativer Stärke und einem Zuwachs der Kapitalisierung von 7,8 auf 13,7% im September 2015. Sie dauerte bis Januar 2017 mit einer Abnahme auf 12%. Bis September 2017 setzte relative Stärke ein, in deren Folge die Gewichtung auf 12,5% stieg. Jetzt liegt sie bei 11,9%. Diese Zahlen dürfen nicht unterschätzt werden: Der Rückgang der Kapitalisierung geht stets mit einer Unterperformance einher, zuletzt von immerhin 4,8% in bloss zehn Monaten.

Ausser, dass man sich dem Markt mithilfe des Einsatzes der Veränderungsrate relativer Preise anpassen sollte, zeugen die immer wiederkehrenden Trendwechsel der relativen Preise von einem Markt, der sich kritisch mit seinem Umfeld auseinandersetzt. Ein sich selbst nach oben treibender, abgehobener, für Risiken blinder und tauber Markt weist ein ganz anderes Muster auf: Die relativen Trends von einem bis maximal drei Sektoren steigen, während alle anderen zurückfallen. Immer wieder sich abwechselnde Präferenzen zwischen den Sektoren bleiben aus.

Solange Rotationen in der seit drei Jahren vorherrschenden Art zu beobachten sind, verlaufen regionen- und länderbezogene Indizes recht unterschiedlich, abhängig davon, wie sich die Sektoren, die gerade en vogue sind, darin spiegeln. Aus den Länderindizes, ausser aus dem breit aufgestellten S&P 500, der alle Sektoren und Industrien umfasst, können somit keine Rückschlüsse auf die entsprechenden Märkte gezogen werden. Der SMI hat beispielsweise unter der Absenz von Information Technology und der starken Präsenz von Healthcare und Consumer Staples während ihrer globalen relativen Schwäche gelitten. Das hat jedoch mit der Schweizer Wirtschaft und ihrer Börse wenig zu tun, wie die Entwicklung des SMIM zeigt.

Es gibt ein Präjudiz

Die Veränderungen im Umfeld, in dem Unternehmen wirtschaften und ihre Aktien beurteilt werden, gehen rasant vonstatten. Es gab eine Phase, als ähnlich tiefgreifende und schwer einzuschätzende Umschwünge vorkamen: 1974 bis 1982. Damals waren vergleichbare Präferenzverschiebungen zwischen den Sektoren zu beobachten und starke Ausschläge der Länderindizes.

Man darf selbstverständlich Ähnlichkeit nicht mit Gleichheit verwechseln. Doch ich meine, dass wir aus der Geschichte immer wieder etwas lernen können. Ein Präjudiz dürfte vor allem angenommen werden, wenn Präferenzverschiebungen zwischen den Sektoren rationalisiert werden können: Sie belegen, dass der Markt kritisch selektioniert, und zwar damals wie heute. Das relativiert die Bedeutung der Bewertungen, die für Märkte länderbezogen erstellt werden. Isoliert betrachtete Bewertungen sind ohnehin eine schlechte Entscheidungsgrundlage.

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