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Philipp Rickenbacher: Mit der Vespa an die Spitze von Julius Bär

Bei der Privatbank übernimmt ein Naturwissenschaftler das Zepter. Im Bankensektor ist er wenig bekannt, besitzt aber das Potenzial zu überraschen.

Anfang der Woche war es so weit: Bei der Privatbank Julius Bär (BAER 44.19 -0.29%) hat der 47-jährige Philipp Rickenbacher das Amt des CEO von Bernhard Hodler übernommen. «Mit viel Energie, aber auch Respekt will ich die neue Aufgabe angehen», sagt der künftige Chef im Gespräch mit FuW. Respekt habe er vor allem wegen der Tragweite der CEO-Rolle. Die Bank selbst kennt er sehr gut, er arbeitet seit 2004 bei Bär.

Seit Anfang 2019 leitet Rickenbacher das Intermediärgeschäft der Bank. Zuvor war er während gut zwei Jahren für den Beratungsbereich des Instituts verantwortlich. In der Finanzbranche ist Rickenbacher aber vielen aufgrund seiner Tätigkeit im Bereich strukturierte Produkte bekannt. Von 2009 bis 2016 war er bei der Privatbank für diesen Bereich verantwortlich.

Seinen Führungsstil beschreibt er als teamorientiert. Es geht ihm darum, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Dabei sieht er sich auch als Moderator und Ideenlieferanten, der es gewohnt sei, auch zu entscheiden. Rickenbacher beurteilt sich durchaus als fordernd, will aber auch mit gutem Beispiel vorangehen. Er wolle ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Fehler gemacht werden dürfen, solange man daraus etwas lerne.

Kritiker bemängeln, dass er bereits zu lange im Dienst der Bank stehe, kein Frontmann sei und deshalb nicht für frischen Wind sorgen könne. Dem entgegnet er: «Ich bin zwar lange bei Julius Bär, habe aber immer in anderen Funktionen gearbeitet.» Auch Kunden habe er in seinen vorherigen Positionen immer wieder getroffen. Mit seinen Vorgängern Bernhard Hodler und Boris Collardi will er sich nicht vergleichen. Die Ausgangslage des Instituts sei heute eine andere als damals. Die Bank sei viel grösser als noch vor zehn Jahren, und es gehe darum, sie aus ihrer heutigen Position vorwärtszubringen. Genaueres zu seinen Vorstellungen, wie er das bewerkstelligen will, sagt er noch nicht.

Die Möglichkeit, etwas mitzugestalten, habe er aber schon bei seinen früheren Aufgaben gehabt und gerne wahrgenommen. Das ist auch in der neuen Rolle gefragt. Weggefährten beschreiben Rickenbacher als Menschen mit Energie, der es verstehe, andere für eine Sache zu begeistern. Etwas, was die Bank Julius Bär gut gebrauchen kann. Branchenkenner beschreiben das Institut seit dem Abgang von Boris Collardi als eingeschlafen.

Neuem gegenüber sei er offen, sagt Rickenbacher. Nicht zuletzt deshalb habe er Biotechnologie studiert. Er besitzt einen Masterabschluss der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Als Wissenschaftler gearbeitet hat er nie.

Dennoch möchte er diese Zeit nicht missen. Man lerne dabei, dass der Weg ans Ziel oft steinig sei, dass es Ausdauer brauche, um dorthin zu gelangen. Aber auch prozessorientiertes Vorgehen und Kreativität seien gefragt. Dabei sieht er viele Gemeinsamkeiten mit der Wirtschaft. Als Naturwissenschaftler lerne man die Grenzen der Modelle kennen. Verglichen mit Ökonomen sei man als Naturwissenschaftler wirtschaftlichen Modellen gegenüber aber etwas skeptischer, was gerade im Risikomanagement ein Vorteil sein könne.

Nach dem Studium hat ihn der Schritt in die Wirtschaft gereizt, weil das Themenspektrum noch breiter sei. Aus diesem Grund heuerte er nach dem Studium beim Beratungsunternehmen McKinsey an, wo er sieben Jahre arbeitete und Einblick in die verschiedensten Unternehmen erhielt. Zusätzlich zu seinem wissenschaftlichen Hintergrund hat er sich am Swiss Finance Institute und an der Harvard Business School weitergebildet.

Rickenbacher hat zwei Kinder im Teenager-Alter, liest viel und fährt im Winter gerne Ski. Er wohnt in Zürich, und fährt – atypisch für einen CEO – wenn möglich mit der Vespa zur Arbeit.

Am Wochenende tauscht er den Roller aber auch einmal gerne gegen das Motorrad und unternimmt mit Freunden eine Töfftour. Dafür dürfte ihm in seiner neuen Funktion nicht mehr allzu viel Zeit bleiben.

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