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Philips-Chef strebt nach Weltmarktführerschaft in der Medizintechnologie

CEO Frans van Houten steht vor seiner dritten Amtszeit. Er will die Neupositionierung des traditionsreichen Konzerns weiterführen.

Helmut Hetzel

Die niederländische Philips will sich in Zukunft ganz und gar auf die Medizintechnologie konzentrieren und auf diesem Gebiet Weltmarktführer werden. Diesen Prozess will der amtierende Konzernchef Frans van Houten in den nächsten Jahren selbst leiten. Deshalb strebt der 57-Jährige eine dritte Amtszeit als CEO an. «Wir realisieren jetzt ein Umsatzwachstum von 4% jährlich und haben eine Gewinnmarge von 12%. Das ist nicht schlecht. Aber ich finde, es ist noch nicht gut genug», sagt Van Houten im Interview mit der niederländischen Wirtschaftszeitung «Financieele Dagblad».

Derzeit gilt allerdings Siemens Healthineers als das grösste Medizintechnikunternehmen Europas, noch vor Roche mit ihrer Diagnostiksparte. Der Siemens-Konzern hatte seine ehemalige Medizintechniksparte Mitte März unter dem Namen Healthineers an die Börse gebracht. Die Deutschen sind globaler Marktführer in der diagnostischen Bildgebung und konkurrieren hier direkt mit Philips. In der Labordiagnostik hat dagegen Roche weltweit die Spitzenposition inne.

Van Houten gliedert Lichtsparte aus

Über die Verlängerung des Vertrags für Frans van Houten wird der Philips-Verwaltungsrat am 3. Mai entscheiden. Van Houten leitet Philips seit 2011, als er im April 2011 die Nachfolge von Gerard Kleisterlee antrat und damit begann, den Konzern radikal umzubauen. Unter seiner Führung trennte sich Philips von ihrer Keimzelle, der Lichtsparte. Van Houten brachte die Sparte Philips Lighting im Mai 2016 an die Börse und gliederte sie damit aus. Sie will künftig unter dem Namen Signify firmieren. Philips hält daran nur noch eine Minderheitsbeteiligung

Nach der Ausgliederung der Lichtsparte besteht Philips nur noch aus der Medizintechnologie und dem Unternehmensbereich elektronische Konsumgüter.

Nicht alle sind mit dem strategischen Kurs von Frans van Houten einverstanden. Der ehemalige Philips-Chef Jan Timmer – Spitzname bei Philips: «Orkan Gilbert» – kritisiert in seinen Memoiren, die gerade in den Niederlanden erschienen sind, «dass Philips besser ein Konglomerat mit verschiedenen Unternehmensbereichen geblieben wäre». Frans van Houten kontert: «Jan ist 1996 in Pension gegangen. Seither hat sich viel verändert.» Nach Meinung von Van Houten sind die «vielen Umstrukturierungen, die bei Philips dreissig Jahre lange gedauert haben, nun zu Ende».

Aktienkurs steigt 60% in sieben Jahren

Fest steht: Philips ist unter Van Houten schlank und rank geworden. Der Börsenkurs ist in seiner siebenjährigen Amtszeit von rund 20 auf heute 32 € gestiegen. Das spricht für die von Van Houten eingeschlagene Strategie. «Wir sind jetzt keine Holding mehr. Wir sind wieder ein operatives Unternehmen, das sich ganz klar fokussiert», sagt er.

Und: «Wir wollen keine BlackBerry oder Nokia werden. Philips ist zwar 127 Jahre alt. Aber ein Unternehmen, das sich an die Vergangenheit klammert, das ist schnell verloren. Deshalb sind der permanente Wandel und die Neuorientierung notwendig», begründet Van Houten die von ihm durchgeführte Neupositionierung des traditionsreichen Philips-Konzerns.

Posten im Novartis-Verwaltungsrat

Dass der Geschäftsbereich Medizinische Systeme und Diagnostik die Zukunft für Philips darstellt, unterstreicht Frans van Houten auch damit, dass er im Februar 2017 die Berufung in den Verwaltungsrat des Schweizer Pharmakonzerns Novartis angenommen hat. «Um meine Kenntnisse in der medizinischen und der pharmazeutischen Welt zu verbessern, ist die Verwaltungsratsposition bei Novartis sehr hilfreich und nützlich», sagt er. «Denn die Welt der Medizintechnologie und die der Pharmazie rücken immer näher zueinander. Software, Sensoren, digitale Diagnostik, Medikation und Medikamente, das wird zu einer Einheit.»

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