Eingeloggt Nicht eingeloggt Suche E-Mail Leseliste Aktiv auf Leseliste Drucken Uhr E-Mail Term-Tag Arrow Left Arrow Right Arrow Down Arrow Up Charts Lock Abo Circle Circle Open Six Exchange Six Exchange Facebook Twitter Linkedin Xing Googleplus Whatsapp
Unternehmen / Industrie

Piëch sagt Volkswagen endgültig Servus

Der ehemalige Volkswagen-VR-Präsident will seine Anteile beim VW-Grossaktionär Porsche verkaufen. Die Verhandlungen mit den Eigentümerfamilien sind bereits im Gang.

(Reuters) Nach zwei Jahren im erbitterten Streit mit Volkswagen (VOW 160 -0.93%) will Ferdinand Piëch sein Lebenswerk endgültig hinter sich lassen. Der 79-jährige Firmenpatriarch, der den Autokonzern gross gemacht hat, möchte seine Anteile am VW-Hauptaktionär Porsche SE loswerden und so die letzten Bande kappen. Wie die Holding am Freitag in Stuttgart mitteilte, verhandelt Ferdinand Piëch darüber mit den VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. «Ob es zu den vorgenannten Veränderungen der Aktionärsstruktur der Porsche Automobil Holding SE kommt, ist aktuell nicht abzusehen.»

VW lehnte eine Stellungnahme ab. Piëch war nicht zu erreichen. Der österreichische Ingenieur, Enkel des «Käfer»-Konstrukteurs Ferdinand Porsche und Ikone der Autoindustrie, besitzt über Stiftungen 14,7% der Stammaktien der Porsche SE; diese Holding wiederum hält gut 52% an Volkswagen und gilt als eigentliches Machtzentrum des weltgrössten Autokonzerns. Im zwölfköpfigen Verwaltungsrat sitzen alle wichtigen Familienvertreter, an der Spitze Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëchs Cousin.

Familien haben Vorkaufsrecht

Dem «Spiegel» zufolge, der zuvor über die Verkaufspläne des Ex-Patriarchen berichtet hatte, ist der Anteil Piëchs gut 1 Mrd. € wert. Die Familien haben ein Vorkaufsrecht. Sie hätten grosses Interesse an der Übernahme, weil sie verhindern wollten, dass ein familienfremder Investor einsteige, berichtete das Magazin. Früheren Insiderangaben zufolge brächte der Verkauf von Piëchs Anteilen für die Familie selbst dann keine Probleme, wenn ein externer Käufer auf den Plan träte – die Familien hätten über die Mehrheit an der Porsche SE trotzdem noch das Sagen. Ferdinand Piëchs älterer Bruder Ernst, der vor mehr als 30 Jahren ausgestiegen war, hatte allerdings mit dem Versuch, seine Anteile an einen externen Investor abzugeben, die Familie gegen sich aufgebracht. Sie kaufte ihm schliesslich die Anteile ab.

Piëch gilt Insidern zufolge seit seinem spektakulären Abgang als VW-Verwaltungsratspräsident 2015 als isoliert in der Familie. Am vergangenen Wochenende wurde in Medienberichten spekuliert, die Familien wollten ihm sein letztes Verwaltungsratsmandat bei der Porsche SE entziehen und ihn im Zuge einer Umstrukturierung des Gremiums entmachten. Die endgültige Entscheidung sollte im Laufe der nächsten Wochen im Verwaltungsrat fallen, das komplette Gremium soll bei der Hauptversammlung am 30. Mai in Stuttgart neu gewählt werden.

Piëch hatte die Krisenphase bei VW im April 2015 mit der Bemerkung losgetreten, er sei auf Distanz zu Martin Winterkorn, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden des Autobauers. Völlig überraschend erlitt der Machtmensch, der den Konzern über zwei Jahrzehnte als technikversierter Vorstands- und Verwaltungsratspräsident geprägt und dabei mehrere Manager abserviert hatte, eine krachende Niederlage: Winterkorn blieb, Piëch ging. In der Folge legte er auch andere Ämter in dem 12-Marken-Imperium nieder.

Doch im September 2015 kam der Dieselskandal in den USA ans Licht – und Winterkorn musste seinen Hut nehmen, weil Millionen Fahrzeuge weltweit mit Schummel-Software ausgerüstet worden waren. Es folgten Managerwechsel, Milliardenstrafen, Ermittlungen, Rechtsstreitigkeiten und vieles mehr, was dem Konzern seither regelmässig negative Schlagzeilen beschert. Piëch und VW tragen ihren Streit über die Abgasaffäre inzwischen lautstark in der Öffentlichkeit aus: Der Ex-Patriarch hatte VW-Verwaltungsräten vorgeworfen, deutlich früher vom Abgasskandal Kenntnis gehabt zu haben. Die Betroffenen wiesen dies zurück.

Zu Beginn dieser Woche erklärte Volkswagen den Dieselskandal für beendet und betonte, sich zu einem führenden Anbieter von Elektromobilität wandeln zu wollen. Einen Tag später holte die Affäre den Konzern mit voller Wucht wieder ein: Am Mittwoch rückte eine Hundertschaft Ermittler bei der Tochter Audi zur Razzia an – just zur Bilanzpressekonferenz.