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Unternehmen / Schweiz

Löst sich der Knoten um Live-Sport bald?

Seit Jahren streiten Swisscom und die Kabelbranche über exklusive Inhalte im Bezahlfernsehen. Nun steht ein wichtiger Entscheid des Bundesgerichts bevor.
Claudia Lanz-Carl

Die Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) gegen Swisscom, die Tochter Cinetrade und deren Pay-TV-Anbieter Teleclub wegen Live-Sport im Fernsehen läuft seit 2013. Es geht vor allem darum, ob die ­Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung haben und sie missbraucht haben, indem sie Wettbewerbern Angebote ungerechtfertigt verweigert haben. Regulär wäre ein solches Verfahren nach etwa eineinhalb Jahren beendet. Bisher ist vor den Kulissen aber nicht viel passiert.

Interesse an einem schnellen Abschluss hat vor allem die Kabelbranche. Live-Übertragungen von Schweizer Fussball- und Eishockey-Spielen sind ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Doch Anbieter wie UPC Cablecom, Tochter des US-europäischen Kabelkonzerns Liberty Global, und der Quickline-Verbund hatten das Nachsehen, wichtige ­Exklusivrechte für Pay-TV hält Cinetrade.

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Die Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) gegen Swisscom, die Tochter Cinetrade und deren Pay-TV-Anbieter Teleclub wegen Live-Sport im Fernsehen läuft seit 2013. Es geht vor allem darum, ob die ­Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung haben und sie missbraucht haben, indem sie Wettbewerbern Angebote ungerechtfertigt verweigert haben. Regulär wäre ein solches Verfahren nach etwa eineinhalb Jahren beendet. Bisher ist vor den Kulissen aber nicht viel passiert.

Interesse an einem schnellen Abschluss hat vor allem die Kabelbranche. Live-Übertragungen von Schweizer Fussball- und Eishockey-Spielen sind ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Doch Anbieter wie UPC Cablecom, Tochter des US-europäischen Kabelkonzerns Liberty Global, und der Quickline-Verbund hatten das Nachsehen, wichtige ­Exklusivrechte für Pay-TV hält Cinetrade.

«Korrekt verhalten»

Der Grund für die jüngste Verzögerung sind Beschwerden von Swisscom. Drei betroffene Unternehmen – UPC Cablecom, Quickline und Sasag – hätten von der Weko Parteistellung erhalten, sagt Quickline-CEO Nicolas Perrenoud. In dieser ­Position könne ein Unternehmen Anträge stellen, etwa auf Akteneinsicht, und erhalte Beschwerderecht, erklärt UPC-Cablecom-Sprecher Bernard Strapp. «Wir haben die Parteistellung zugesprochen bekommen. Darauf hat Swisscom Beschwerde eingereicht.» Das Bundesverwaltungsgericht habe die Beschwerde zurückgewiesen, worauf Swisscom beim Bundesgericht vorstellig geworden sei.

Der Telecomkonzern bestätigt dieses Vorgehen. Swisscom-CFO Mario Rossi hatte sich gegenüber «Finanz und Wirtschaft» kürzlich zu dem Fall geäussert. «Wir haben uns korrekt verhalten», so der Finanzchef. Swisscom habe in Sportübertragungen investiert, Kompetenzen aufgebaut und Risiken getragen, als die Kabel­anbieter kein Interesse zeigten.

Für die Weko relevant sind auch die Preise des Teleclub-Angebots für Swisscom- bzw. Kabelkunden und die Koppelung von Exklusivinhalten mit dem Basisangebot. Der Konflikt dauert aber schon viel länger als zwei Jahre. Der zu Cinetrade gehörende Teleclub wurde 2002 mit digitalen Pay-TV-Programmen erst auf Intervention der Weko auf dem Netz von UPC Cablecom aufgeschaltet. Die Unternehmen stritten darüber, welche TV-Plattform zum Einsatz kommen soll und wer die Hoheit über Kundendaten hat. 2006 einigten sich die Unternehmen auf eine vertragliche Zusammenarbeit in der Verbreitung und Vermarktung des Teleclub-Angebots, und die Weko schloss ihre Untersuchung ein Jahr später ab.

Weko könnte rasch reagieren

Aktuell sind die Wettbewerbshüter blockiert, solange in der Frage der Parteistellung nicht entschieden ist. «Swisscom, Cinetrade und Teleclub, die alle Rechtsmittel ausschöpfen, verzögern das Verfahren», klagt der Branchenverband Swisscable. Wie sich das Bundesgericht verhält, wird wegweisend sein – dagegen kann kein ordentliches Rechtsmittel eingelegt werden.

Der Knoten könnte sich also bald lösen. Swisscable erwartet «den Entscheid nächstens». Swisscom erklärt, die letzte Eingabe sei im Januar erfolgt. Ein Entscheid sei jederzeit möglich. Dann liegt der Ball wieder bei der Weko. Und die Zeit läuft – ab der Saison 2017/18 werden die Übertragungsrechte neu vergeben. «Ich persönlich gehe davon aus, dass die Weko jederzeit entscheiden kann, sobald der Entscheid des Bundesgerichts vorliegt», meint Quickline-CEO Perrenoud.

Über der Millionenschwelle

Swisscom sah in den vergangenen Jahren im TV-Geschäft viel Dynamik. Erst 2006 wurde das Unternehmen in diesem Bereich aktiv, die Zahl der Fernsehkunden hat die Millionenschwelle längst überschritten. 2014 legten die Abos 16,5% auf 1,2 Mio. zu. Der Erfolg hängt mit dem exklusiven Live-Sport-Angebot zusammen,  und der Aufbau der Beteiligung am Medienkonzern Cinetrade mit zunächst 49% und später 75% trug dazu bei.

UPC Cablecom hingegen, ab den Fünfzigerjahren unter dem Namen Rediffusion im TV-Geschäft tätig, verzeichnete in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Fernsehkunden – von 1,52 Mio. im Jahr 2010 auf 1,39 Mio. im Jahr 2014. Dennoch konnte der Kabelnetzbetreiber die Position des Marktführers im Digital-TV mit einem Anteil von 32% zuletzt halten.

Signalwirkung erwartet

Inwiefern sich die künftige Praxis im Fall von Live-Sport ändert, ist offen. «Der Weko-Entscheid dürfte vor allem Signalwirkung auf die nächste Vergabe der Sportrechte haben», sagt Quickline-CEO Perrenoud. Dass sich am Verfahren etwas ändert, hält der Chef der Kabelgruppe «leider eher für unwahrscheinlich».

Anleger sollten verfolgen, wie es in der Frage weitergeht. Falls sich Swisscom in der nächsten Runde weniger Rechte sichern könnte, würde das TV-Produkt an Attraktivität verlieren. Auch finanziell gibt es Stolpersteine: Der britische Markt ist ein Beispiel dafür, wie sehr Live-Sport ins Geld gehen kann, wenn ein Bieterwettkampf entbrennt. Der Telecomkonzern BT Group und Pay-TV-Anbieter Sky sind inzwischen im Multimilliardenbereich angekommen, und mit den Kosten steigen die Risiken.

Von diesen Dimensionen ist die Schweiz noch entfernt: 2011 bezifferte die Swiss Football League die Einnahmen für alle Rechte (TV, Multimedia, Sponsoring) auf «mindestens 28 Mio. Fr. pro Saison».