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Politik in Europa lässt Märkte kalt

Weder Theresa Mays Rücktritt noch der Ausgang der Europawahlen machen Investoren sonderlich nervös.

Peter Rohner

Auf politischer Ebene haben sich in Europa in den letzten Tagen die Ereignisse überschlagen: Nach der Regierungskrise in Österreich und der Rücktrittsankündigung der britischen Premierministerin Theresa May folgte am Wochenende die Schlappe der Christ- und der Sozialdemokraten bei den Europawahlen.


Die grossen Gewinner der Europaparlamentswahl sind die Grünen. In Frankreich und Italien haben vor allem die rechtsnationalen Parteien zugelegt.

In Grossbritannien versammeln die neu gegründete Brexit-Partei und die Ukip zusammen 35% der Stimmen, während die Tories auf 9% abgestürzt sind. Dem Sieg der Brexit-Hardliner steht aber auch ein Erstarken der Parteien gegenüber, die gegen den EU-Austritt sind.

Das Resultat spiegelt die Verhärtung der Fronten im Brexit-Gerangel. Die Chancen für einen geordneten Austritt, an dem Theresa May gescheitert ist, sind noch kleiner geworden, wer auch immer ihre Nachfolge antritt. Mit May seien auch die Hoffnungen auf ein Brexit-Abkommen verschwunden, kommentiert Mark Dowding, Anlagechef des Anleihenfondshauses BlueBay. Auch Neuwahlen seien eine Option – und damit die Möglichkeit einer Labour-Regierung bis Ende Jahr.

Experten rechnen mit erhöhtem Druck auf das britische Pfund. Doch bislang haben weder Mays Rücktrittsankündigung noch der Erfolg der Brexit Party am Devisenmarkt hohe Wellen geschlagen. Sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro hat das Pfund seit Donnerstag leicht zugelegt und notiert am Montagmittag bei 1.2720 $ resp. 1.1330 € pro Pfund.

Womöglich haben die Marktteilnehmer mit solchen Entwicklungen gerechnet. Darauf deutet die ausgeprägte Pfundschwäche der vergangenen Wochen hin.

Die Londoner Börse eignet sich momentan nicht als Barometer für die Stimmung der Investoren, denn sie ist heute Montag feiertagsbedingt geschlossen (Spring Bank Holiday). In Europa eröffneten die Börsen am Montag deutlich fester, haben aber bis zum Mittag ihre Gewinne fast abgegeben.

Abgesehen vom Handelsstreit zwischen China und den USA scheinen politische Krisen derzeit an den Finanzmärkten abzuperlen. Otmar Lang, Chefökonom der deutschen Targobank, fasst es mit den passenden Worten zusammen: «Politische Börsen haben offenbar gar keine Beine mehr.»

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