Zum Thema: Portfoliobereinigungen als Kurstreiber

Portfolioänderungen sind in Deutschland an der Tagesordnung

Die Geldpolitik senkt den Handlungsdruck für Unternehmen. Trotzdem stehen noch einige grössere Transaktionen an.

Wer ist der bessere Eigentümer? Diese Frage liess in der deutschen Wirtschaft lang die Wogen hoch gehen. Die Zerschlagung des Mischkonzerns Mannesmann im Jahr 2001 oder die Auflösung des finanziellen und personellen Geflechts zwischen Industrie und Finanzbranche standen im Fokus. Diese Verkrustungen haben sich aber seit den Neunzigerjahren gelockert und sind inzwischen fast abgebaut.

Deutsche Bank unter Druck

Im Jahr 2015 sind bei kotierten Unternehmen darum spektakuläre Handänderungen eher die Ausnahme. Stete Portfolioanpassungen gehören aber zum Tagesgeschäft. Es gibt Ausnahmen, die nicht reibungsfrei ablaufen. Im Leitindex Dax etwa die Deutsche Bank. Sie versucht auch unter dem Druck des Aktionariats, ihre Strategie neu auszurichten. Sie will sich gemäss dem Magazin «Spiegel» von der Postbank trennen. Ein Ziel dabei ist, trotz dünner Kapitaldecke besser regulatorische Auflagen erfüllen zu können. Stefan Bongardt, Analyst bei dem Frankfurter Analysehaus Independent Research, sagt, die Bank könne mit dem Abbau der Postbank-Beteiligung unter 50% dieses Ziel erreichen. Doch hält er es für unwahrscheinlich, dass das kostenintensive, profitabilitätsschwache Geschäft viele Investoren anlockt. «Ein Zusammengehen mit Santander oder BNP Paribas wird kolportiert, drängt sich aber nicht auf», sagt Bongardt.

Doch ist die Deutsche Bank eher die Ausnahme. In Italien sei derzeit mehr Bereitschaft zu Eigentümerwechseln beobachtbar als in Deutschland, sagt Andreas Rüter, Deutschlandchef des Beratungsunternehmens Alix Partners. Das erklärt er sich auch mit gesunkenem Handlungsdruck. «Im Markt ist so viel Geld vorhanden, und der Druck von Banken ist kaum vorhanden, sodass wenige Objekte verkauft werden müssen, auch wenn vielleicht die operative Entwicklung Verbesserungsbedarf zeigt», sagt Rüter. Käme eins auf den Markt, würden sich gleich eine Reihe Private-Equity-Unternehmen, aber auch andere Investoren darauf stürzen.

Dabei gab es zuletzt einige Transaktionen. Der Chemieriese BASF trennte sich 2014 vom Styrolgeschäft. Bei Bayer steht die Abtrennung der Kunststoffsparte Bayer Material Sciences an. Sie habe Potenzial für den Dax, sagt Bayer-Chef Marijn Dekkers. Bayer brachte schon 2004 die Spezialchemie (Lanxess) an die Börse und stärkte im Gegenzug das Pharmageschäft. Diese Strategie zahlt sich heute aus.

Operativen Einheiten mehr Autonomie zu geben, ermöglicht es, für sie geeignetere Eigentümer oder Investoren zu finden. Viele Fusionen und Übernahmen hätten zudem die Erwartungen punkto Synergien nicht erfüllt, sagt Rüter. Da gehe es darum, diese Beteiligungen wieder aufzulösen. Eine gewisse Rolle spielt auch die Internationalisierung. Rüter sieht sie in vielen Branchen als Notwendigkeit. «Wären die Autokonzerne nicht nach China gegangen, wären einige verschwunden», sagt er. Je komplexer die Produkt- oder Kundenstruktur, desto grösser seien dabei aber auch die möglichen Schwierigkeiten.

Noch einige Handwechsel

In einigen Dax-Konzernen stehen noch Veränderungen an. Der Elektroriese Siemens, in permanentem Umbau, steht womöglich vor der Abspaltung der Medizintechniksparte. Das Hörgerätgeschäft ging 2014 an Finanzinvestor EQT (Wallenberg) und Familie Strüngemann (Ex-Hexal).

Im Fall von Thyssen-Krupp sorgte der Einstieg von Finanzinvestor Cevian für eine beherztere Restrukturierung. Eine Ownership-Problematik bestand lange auch im Energiesektor, wo der hohe Einfluss der Kommunen den Umbau bremste. Generell ist aber im Dax die breite Streuung der Aktien üblich. Ankerinvestoren haben nur wenige, wie Continental (Schaeffler, 46%), Deutsche Telekom und Deutsche Post (Staat direkt und indirekt 31,7%/21%) Merck KgaA (Familie Merck 70%) und Volkswagen (Porsche 50,7%).

Seit der Auflösung der Deutschland AG ist auch der Internationalisierungsgrad gestiegen. Rund 56% der Anteile (2014) der Dax-Unternehmen liegen gemäss der Beratung EY in ausländischer Hand. «Abseits des Kapitalmarkts existieren aber auch viele Mischkonzerne als Familienunternehmen, wie Bosch oder Freudenberg, die sich gut entwickeln», sagt Berater Rüter.