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Porträt: Markus Bernhard: Mobilephone-Verkäufer mit Börsengefühl

Der Verwaltungsrat von Mobilezone hat den Finanzchef zum CEO bestimmt. Damit setzt er auf Kontinuität. Markus Bernhard hat ein Faible für Tennis und Publikumsgesellschaften.

Gleich zwei Handys trägt Markus Bernhard in der Hosentasche: ein Smartphone von Samsung Galaxy und ein iPhone von Apple. Schliesslich muss er Bescheid geben können, wenn seine Kundschaft nach den Unterschieden fragt. Vor kurzem ist er von einer Geschäftsreise aus Vietnam und Korea zurückgekehrt. Er hat in beiden Ländern Werke von Samsung besucht und ist beeindruckt von der Innovations- und Produktionskraft der Asiaten. «Gleich 500 000 Stück werden täglich in Vietnam hergestellt. Und mit der neuen Fotokamera, einem Zwitter von Digitalkamera und Handy, ist Samsung führend.»

Am iPhone kommt keiner vorbei. Seit Juni ist Mobilezone Vertriebspartner von Apple. Darauf ist Bernhard stolz. Seit mehr als sechs Jahren ist der 49-Jährige Chief Financial Officer des Telecomspezialisten. Gleichzeitig ist er auch der Stellvertreter von Martin Lehmann, den er als Chief Executive Officer auf April 2014 ablösen wird.

Der Weggang von CEO Lehmann überraschte. Er hatte das Unternehmen zusammen mit Ruedi Baer gegründet. Sein Bru der Hans-Ulrich sitzt im Verwaltungsrat. Nun will Martin Lehmann nach vierzehnjähriger Tätigkeit für Mobilezone zu neuen Ufern aufbrechen.

Bernhard und Lehmann ergänzten einander bisher bestens. Lehmann wirkt wie ein Sonnyboy, während Bernhard den seriösen, zuverlässigen Zahlenmenschen verkörpert. Auch privat verstehen sie sich und spielen öfters zusammen Tennis. Dabei gewinnt Bernhard regelmässig. Kein Wunder, schlägt der Ehrgeizige doch zwei bis drei Mal in der Woche auf dem Tennisplatz zu. Er fährt aber auch leidenschaftlich gerne Ski, meist auf der Lenzerheide. Zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt er im edlen Risch (Kanton Zug) in einem eigenen Reihenhaus. Der St. Galler Dialekt von Bernhard kommt nicht von ungefähr. Studiert hat er an der Universität St. Gallen und hat dort mit lic. oec. abgeschlossen. Aufgewachsen ist er aber in Chur: «Ich sollte meinen Bündner Dialekt wieder mehr pflegen», lacht er. Nach dem Studium erwarb Markus Bernhard während seiner Tätigkeit bei PricewaterhouseCoopers auch noch das Wirtschaftsprüferdiplom. Später heuerte er bei Cope an, einem Unternehmen, das auf Datenspeicherung spezialisiert ist. Für Cope war er als Finanzchef und Stellvertreter des Konzernleiters tätig. Bernhard war treibende Kraft, dass dieses Unternehmen an die Börse (Nasdaq) kam. Bei Cope hat er einen Sitz im Verwaltungsrat. Die Arbeit in kotierten Gesellschaften ist nach seinem Geschmack. Mobilezone ist erst 2001 an die Börse gekommen. Hektik stört Bernhard nicht, denn Geduld gehört nicht zu seinen Tugenden.

Der Telecomspezialist hat in den vergangenen Jahren stark auf den Servicebereich gesetzt, etwa mit dem Kauf des Reparaturdienstleisters Mobiletouch, der in der Schweiz und Österreich Geräte flickt. «Den Servicebereich wollen wir auch weiter ausbauen», erklärt Bernhard. Im Kerngeschäft, dem Handyverkauf, ist der Markt weitgehend gesättigt. Mit 132 Shops deckt das Unternehmen die Schweiz ab. «Mit Ausnahme der beiden Appenzell sind wir in jedem Kanton präsent», erklärt Bernhard. Er ist in Bezug auf die Aussichten des Unternehmens sehr optimistisch: «Wir haben bei Vorlage der Halbjahreszahlen erstmals prognostiziert, dass der Ertrag höher liegen wird als im Vorjahr.»

Als Dividendenperle machen Mobilezone den Aktionären Spass, speziell dem Ankeraktionär Martin Ebner. An der Ausschüttungspolitik soll auch in Zukunft festgehalten werden. Ebner hält zusammen mit seiner Gemahlin via Patinex 21,5% der Aktien. Bernhard trifft den Financier zwei bis vier Mal im Jahr: «Der Umgang mit ihm ist höchst professionell.» Bernhard ist ein Bewunderer Ebners. Nächstes Jahr feiert Mobilezone den fünfzehnten Geburtstag. Für Bernhard gilt es als Ehre, ab dem Jubiläumsjahr den grössten Smartphone-Verkäufer der Schweiz zu leiten. GH

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