Archiv

Porträt: Ulrich Körner: Scharfe Analysen, ohne viele Worte

Rudolf Keller

Der Wechsel von Ulrich Körner ist unter den jüngsten Rochaden im Hause UBS die auffälligste. Der bisherige Chief Operating Officer (COO) wird per Jahresbeginn Chef des Global Asset Management und verantwortet die Vermögensverwaltung der institutionellen Kunden. Er ersetzt John Fraiser, der sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht. Finanzchef Tom Naratil übernimmt zusätzlich den Posten des COO, wobei einige Aufgabenbereiche künftig direkt von CEO Sergio Ermotti übernommen werden.

Noch leitet Körner als COO das Corporate Center, von wo aus er das Industrialisierungsprogramm der UBS aufbaute und mehrere Kostensparprogramme aufgleiste, die Bank auf Effizienz trimmte. Das Corporate Center ist zwar keine operative Einheit. Körner befand sich jedoch – seit Oswald Grübel ihn 2009 von der Credit Suisse geholt hat – mitten im Machtzentrum der UBS. Bei der Lokalrivalin war er CEO Schweiz. Ganz anders seine neue Aufgabe: Das Asset Management ist die kleinste Geschäftseinheit der Grossbank und wurde in letzter Zeit stiefmütterlich behandelt. Der Fokus des Managements lag im Zuge der Neuorientierung klar auf dem Schrumpfen der Investmentbank sowie der Stärkung der Vermögensverwaltung. Diese beiden Einheiten sind zentral für das integrierte Modell, das die Bank prägt. Das Asset Management hingegen ist kein integraler Bestandteil dieser Strategie. Die UBS hatte zeitweise gar versucht, die Einheit abzustossen. Verkaufsverhandlungen sind 2012 aber gescheitert. Körner ist ein Mann, der «Sachen repariert», ein «scharfer Analytiker» und «Stratege, der vor tiefgreifenden Massnahmen nicht zurückschreckt», sagen Personen aus seinem gegenwärtigen wie früheren Arbeitsumfeld. «Zielorientiert», sei er und verliere «kein Wort zu viel» im Gespräch mit Mitarbeitern, für die die Umsetzung der von ihm angestossenen Neuorganisationen teilweise «sehr arbeitsintensiv» ausfällt. Das Asset Management erhält mit Körner einen Chef, der aus der UBS-Zentrale und damit quasi von aussen kommt. Seine Aufgabe wird es sein, den Bereich auf effizienzsteigernde Massnahmen hin zu durchleuchten. Dies muss nicht zwangsläufig in einen Rückbau münden. Die Division strebt Wachstum im Bereich ETF an und will in Asien-Pazifik besonders das Fondsgeschäft sowie den Immobilienbereich stärken. Sicher ist, dass der ehemalige McKinsey-Mann im Asset Management jeden Stein umdrehen wird – mit offenem Ausgang für die Division.RK

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Leser-Kommentare