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Krisenbank Espirito Santo wird zerschlagen

Ausleihungen innerhalb des Firmengeflechts der Familie Espirito Santo lösen Abwicklung aus. Aktionäre und nachrangige Gläubiger bluten.

Europas Krisengeschichte ist um ein Kapitel reicher. Portugals drittgrösste Bank, Banco Espirito Santo (BES), ergänzt die Liste der gescheiterten Finanzinstitute. Die Zentralbank hat angeordnet, die Bank in einen guten und in einen schlechten Teil aufzuspalten. Grund für den Untergang sind Verpflichtungen innerhalb eines wenig durchsichtigen Konglomerats der Espirito-Santo-Familie.

Das Prozedere, das die Zentralbank Banco do Portugal angeordnet ist beispielhaft für künftige Bankabwicklungen in der EU. Wie es aber dazu kam, dass BES scheiterte, das ist ungewöhnlich. Alles nahm den Anfang mit einer zu Jahresbeginn von der portugiesischen Zentralbank angeordneten Prüfung der Bücher von Espirito Santo International, einer in Luxemburg domizilierten Holdinggesellschaft der portugiesischen Familie Espirito Santo. Die Holding kontrolliert über mehrere Tochterfirmen auch  Banco Espirito Santo. Bei dem externen Audit wurden gemäss Medienberichten Unregelmässigkeiten gefunden. Die Folge: Das Familienkonglomerat begann zu wanken, zwei Gesellschaften mussten Gläubigerschutz beantragen.

Nicht mehr tragfähig

Wegen finanzieller Verpflichtungen gegenüber diesen Gesellschaften geriet auch BES in den Abwärtssog. Die Hälfte der 4,3 Mrd. € ausserordentlicher Abschreibungen, die letzte Woche bekannt wurden, gehen auf Verpflichtungen gegenüber der Espirito-Santo-Gruppe zurück. Der für das erste Semester resultierende Verlust von 3,5 Mrd. € brach der Bank das Genick. Die regulatorische Eigenkapitalquote (Common Equity Tier 1) sank auf 5%, ein Punkt, an dem die Aufsichtsbehörde eine Bank für nicht mehr überlebensfähig («non viable») einstuft.

Die Zentralbank ordnete darum eine Aufteilung der Bank in zwei Teile an, einen guten und einen schlechten. Der gute Teil, vorerst Novo Banco genannt, enthält sämtliches Kundengeschäft, das von den Problemen der Bank nicht tangiert ist. Für Privat- sowie Firmenkunden soll sich damit nichts ändern, die Konti werden weiter bedient wie bisher. Auf der Verpflichtungsseite werden die Einlagen sowie vorrangigen Schulden an die neue Bank transferiert. Novo Banco wird zudem von einer Überbrückungsgesellschaft finanziert. Diese Bridge Bank schiesst 4,9 Mrd. € Eigenkapital ein. Das Geld stammt aus dem Bankenabwicklungsfonds, der im Rahmen der Bankenunion von sämtlichen Euroländern verlangt wird. Weil der Abwicklungsfonds, der mit Abgaben von allen Banken in Portugal gespeist wird, erst seit 2012 existiert, verfügt er über zu wenig Kapital. Der portugiesische Staat springt deshalb mit einem Kredit an den Abwicklungsfonds mit 4,4 Mrd. € ein. Konkret stammt dieses Geld aus dem Bankenrettungsfonds, der im Zuge der internationalen Notfinanzierung Portugals durch den Internationalen Währungsfonds und die Eurozonemitglieder gegründet wurde. Dieser Fonds hatte zur Rettung von Banken 6,4 Mrd. € noch zur Verfügung.

UBS half Aktien verkaufen

Im nicht geretteten Teil bleiben die zweifelhaften Ausleihungen. Sie stehen Forderungen von Aktionären und den nachrangigen Obligationen gegenüber. Gemäss Einschätzung von RBS-Analysten wird weder für Aktionäre noch für nachrangige Gläubiger etwas übrigbleiben. Der Kurs der nachrangigen Papiere stürzte am Montag ab und reflektierte bei einem Kurs von unter 15 die geringe Hoffnung, dass vom Nominal was übrig bleibt. Die Aktien von BES waren letzte Woche um 73% gefallen und blieben seither vom Handel ausgesetzt.

Nach einer erst im Juni abgeschlossenen Kapitalerhöhung von rund 1 Mrd. € wird es viele Aktionäre geben, die die Arbeit der Konsortialbanken in Frage stellen. Unter den sechs Banken, die die Kapitalerhöhung anführten und Aktien verkauften, waren Morgan Stanley (MS 47.29 -0.19%), UBS (UBSG 13.555 1.23%) und Merrill Lynch. Unter den grössten Aktionären von BES befindet sich neben der Familie die französische Bank Crédit Agricole, der brasilianische Finanzkonzern Bradesco sowie Portugal Telecom.

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