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Portugiese wird EZB-VizeInternationale Anleihen Ecofin ernennt Vítor Constâncio – Leveraged-Loans-Markt leidet weiter

Jeanne Richenberger

Griechenland steht noch immer im Fokus, auch in dem der Eurogruppe, dem Treffen der Finanzminister der Europäischen Union (Ecofin) in Brüssel. Zu Wochenbeginn hat die Gruppe den neuen Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) als auch Griechenlands Situation diskutiert.

Als neuer EZB-Vize wurde Vítor Manuel Ribeiro Constâncio, derzeit Gouverneur der portugiesischen Zentralbank, auserkoren. Gleichzeitig wurde damit Axel Weber, dem Präsidenten der deutschen Bundesbank, der Weg als künftiger EZB-Präsident geebnet. Constâncio gilt in Expertenkreisen als zinspolitische Taube – d. h. er wird tendenziell ein unverändertes Zinsniveau zugunsten des Wirtschaftswachstums und eines prosperierenden Arbeitsmarkts bevorzugen. Constâncio sitzt seit dem Start der Währungsunion und damit auch seit Bestehen der EZB im Gremium, das über die Geldpolitik bestimmt und über die Eurostabilität wacht. Zuvor war er Abgeordneter, Staatssekretär sowie Finanzminister Portugals und leitete 1986 die Verhandlungen über einen Beitritt Portugals in den Vorläufer der Europäischen Union, die Europäische Gemeinschaft. Die Amtszeit des derzeitigen Vizepräsidenten, des Griechen Lucas Papademos, endet im Mai. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird im kommenden Jahr sein Amt niederlegen.

Noch mehr Spardruck

Von Griechenland verlangt die Ecofin einen härteren Sparkurs. Die hellenische Republik werde unter Beweis stellen müssen, dass sie in der Lage sei, ihr Haushaltdefizit in diesem Jahr um 4 Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung zu kürzen. Sollte dies nicht gelingen, sei mit Sanktionen zu rechnen – unter anderem ist auch ein Haushaltkommissar für Griechenland diskutiert worden.

Die Rendite von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen erreichte am Dienstag 6,4%. Der Risikoaufschlag (Spread) zu deutschen Bundesanleihen verengte sich um mehr als 100 Basispunkte (Bp). Zum Vergleich: Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren 3,2%, analoge amerikanische Papiere 3,7% (vgl. Grafik).Trotz Spekulationen um Griechenland sollte die Bonitätsnote nicht vergessen werden: Fitch und Standard & Poor’s (S&P) benoten die hellenische Republik mit BBB+, S&P prüft zudem eine weitere Herabstufung. Konkurrentin Moody’s verleiht A2, zwei Stufen höher. Damit rangiert Griechenland (noch) in der Anlagequalität. Beruhigend ist eine Studie von S&P, die zum Schluss kommt, dass Sovereign Ratings weiterhin ein verlässlicher Indikator für das Zahlungsausfallrisiko eines Staats sind. Denn seit 1975 seien lediglich 1,1% der mit Anlagequalität benoteten Staaten ausgefallen. Im Bereich der spekulativen Qualität beträgt dieser Anteil 29,7%. Im vergangenen Jahr ist kein einziger Staat ausgefallen.

Emissionen verschoben

Als Stolperstein erweisen sich die jüngsten Marktturbulenzen um Griechenland auch für hochverzinsliche Anleihen. Moody’s rapportiert, dass einige Unternehmen Emissionen annulliert haben. Grund sind die erneut unvorteilhafteren Kreditkonditionen. Des weiteren sei der Kapitalmarkt auch weniger empfänglich für Leveraged Loans (syndizierte Kredite). Ursache sei auch hier der hohe Unsicherheitsfaktor und eine volatile Entwicklung der Spreads (Kreditrisikoprämien). Zudem leide das Leveraged-Loans-Segment unter einem anhaltenden Disintermediationsprozess: Zahlreiche Unternehmen bevorzugen die Kapitalaufnahme mit Anleihen statt mit Bankkrediten. Moody’s erwartet im laufenden Jahr einen Rekord an Neuemissionen von High Yield Bonds.

Erfolgreich refinanziert haben sich zu Wochenbeginn Staaten. Frankreich stockte Bons du Trésor à taux fixe et à intérêts précomptés (BTF) um 8 Mrd. € auf. Belgien erhöhte ebenfalls das Volumen ausstehender Papiere und auktionierte zusätzlich fünf-, sieben und zehnjährige Staatsanleihen. Die Papiere offerieren Coupons von 31⁄2, 33⁄4 bzw. 4%. Spanien bot Nullcouponanleihen über zwölf und achtzehn Monate an. Zusätzlich plant das Königreich eine Benchmarkanleihe mit fünfzehnjähriger Laufzeit. Es ist dies die erste Emission seit den Turbulenzen um die europäischen Peripheriestaaten, den sogenannten PIGS (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien). Anfang Februar hatte die hellenische Republik 7 Mrd. € mit fünfzehnjährigen Papieren begeben – und eine sehr attraktive Prämie zu deutschen Bundesanleihen von 264 Bp bezahlt. Spanische Staatsanleihen handeln derzeit 64 Bp über Bunds. Moody’s benotet das Königreich mit Aaa, S&P mit AA+.In der laufenden Woche werden noch Staatsanleihen von Irland, Deutschland und Portugal erwartet. Ausserhalb der Eurozone werden Schweden und wie gewohnt die USA Kapital aufnehmen.

Weniger Zahlungsausfälle

S&P beziffert die Zahl der schwächsten Glieder – Unternehmen kurz vor dem Zahlungsausfall und mit einem Rating von B– oder tiefer – auf 213 (vgl. Tabelle rechts). Das entspricht einem Bondvolumen von 198 Mrd. $. Vor einem Jahr waren noch 265 Emittenten von einem potenziellen Ausfall bedroht gewesen. Dass sich die Kreditqualität verbessert, zeigen zudem die Zahlungsausfälle. Sie haben sich im laufenden Jahr auf vierzehn Emittenten erhöht, hiervon zwölf waren amerikanische. Nummer vierzehn war das in Bahrain beheimatete Unternehmen Gulf Finance House.

Akquisitionen können die Bonität von Unternehmen verbessern oder reduzieren – im Fall von Yara trifft eventuell ersteres zu. Aufgrund des angekündigten Kaufs von Terra setzt S&P die Gesellschaft auf Creditwatch negativ (vgl. Seite 26). Die potenzielle Herabstufung werde sich jedoch auf einen Notch beschränkten, fügt die Agentur an. Damit bleibt das norwegische Unternehmen, das derzeit mit BBB benotet wird, in der Anlagequalität.

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