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Powell: «Coronavirus kann zu Verwerfungen in China führen»

Der Präsident der US-Notenbank hat am Dienstag vor wirtschaftlichen Gefahren durch die Epidemie gewarnt.

(Reuters) Die US-Notenbank hat vor wirtschaftlichen Gefahren durch die Coronavirus-Krise gewarnt. Die Fed verfolge die Entwicklung genau, sagte deren Präsident Jerome Powell am Dienstag vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Das Virus könne zu Verwerfungen in China führen, die auf die übrige Weltwirtschaft übergreifen könnten. Die US-Wirtschaft sei zwar in sehr guter Verfassung. Aber mit einigen Effekten in den USA müsse sehr wahrscheinlich gerechnet werden. Powell zufolge ist es aber zu früh, um das Ausmass zu bestimmen.

Der Fed-Chef machte zugleich deutlich, dass die Notenbank vorerst keinen Grund für eine Änderung ihres geldpolitische Kurses sehe, solange es keine «grundlegende Neubewertung» des Konjunkturausblicks gebe. Risiken, die mit der Unsicherheit durch den Zollkonflikt zusammenhängen, seien zuletzt zurückgegangen. Auch habe sich das globale Wirtschaftswachstum stabilisiert. Zudem laufe der US-Jobmarkt rund. Begünstigt vom milden Winterwetter ist der US-Arbeitsmarkt mit überraschend viel Schwung ins Jahr gestartet.

Die Fed hatte sich 2019 mit drei Zinssenkungen gegen eine Konjunkturabkühlung gestemmt. Unbeeindruckt von den Forderungen des US-Präsidenten Donald Trump nach einer weit lockereren Geldpolitik hat sie den Zins auf ihrer jüngsten Zinssitzung im Januar jedoch konstant gehalten und signalisiert, vorerst die Füsse stillzuhalten. Die Leitzins liegt aktuell in einer Spanne von 1,5 bis 1,75%. Das sei «angemessen», um die US-Wirtschaft auf Aufschwungkurs zu halten, sagte Powell.

Powell rechnet mit anziehender Inflation

LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sieht Powells Rede im Einklang mit dieser Strategie: «Die US-Notenbank hält an ihrer abwartenden geldpolitischen Haltung fest und den Coronavirus als wichtigen Risikofaktor im Blick.» Sollten sich die Auswirkungen der Virus-Krise auf die Wirtschaft merklich verstärken, wäre dies ein möglicher Auslöser für eine grundlegende Neubewertung der Konjunktureinschätzung, so Burkert.

Die US-Notenbank soll Vollbeschäftigung fördern und strebt eine Inflationsrate von 2% an. Während der Jobmotor auf Hochtouren läuft, ist sie bei der Teuerung noch nicht am Ziel. Dabei achten die Dollar-Wächter vor allem auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher ohne Energie- und Nahrungsmittelkosten. Diese sogenannte Kernrate lag zuletzt bei 1,6%. Powell erwartet aber, dass die Teuerung zunimmt: «Über die nächsten Monate erwarten wir, dass sich die Inflation näher an 2% heranbewegt.»