Meinungen

Powell ist nicht eingeknickt

Der Chef des Federal Reserve hat mit dem jüngsten Zinsentscheid den Handlungsspielraum erhöht. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Die Zentralbanken kommen nicht darum herum, auf die Entwicklung am Finanzmarkt zu achten.»

Die Anleger frohlocken, denn Fed-Chef Jerome Powell hat das Ende der straffenden Geldpolitik signalisiert. Für den Präsidenten der amerikanischen Zentralbank ist das eine Abwechslung – nach den sieben Sitzungen zuvor schlossen die Aktienmärkte jeweils schwächer.

Es wäre ein Leichtes, nun zu sagen, Powell sei unter dem Druck der Investoren eingeknickt, die ein Ende der Zinserhöhungen gefordert hatten. Diese Schlussfolgerung greift aber zu kurz.

Seit Langem betont Powell, dass sich die Geldpolitik nicht auf einem vorgezeichneten Pfad befinde. Sie werde von der wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Diese hat sich in den sechs Wochen seit der letzten Zinssitzung eingetrübt.

Die US-Regierung stand fünfunddreissig Tage lang still, das langsamere Wirtschaftswachstum in China hat den Abschluss von Unternehmen wie Apple (AAPL 195.09 3.68%) und Caterpillar (CAT 134.06 0.79%) belastet und das Vertrauen der Konsumenten ist eingebrochen.

Die Risiken spiegeln sich auch in den Finanzmärkten, denn diese nehmen die konjunkturelle Entwicklung vorweg. Insofern kommen die Zentralbanken nicht darum herum, auf die Entwicklung am Finanzmarkt zu achten. Dessen Geisel sind die Währungshüter deswegen aber nicht.

Zudem ist es nur vernünftig, dass sich der Fed-Chef maximalen Handlungsspielraum erhalten will. Die Währungshüter haben nicht nur bald den neutralen Zins erreicht, bei dem die Wirtschaft weder angetrieben noch gebremst wird.

Sie sind auch dabei, die Notenbankbilanz zu normalisieren. Bisher ging die Reduktion der im Nachgang zur Finanzkrise auf 4,5 Bio. $ angeschwollenen Bilanz zwar ohne grosse Probleme über die Bühne, doch das muss nicht so bleiben. Powell ist nicht eingeknickt, sondern hält sich alle Optionen offen.

 

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